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Christian Rohlfs – Wanderer durch die Moderne

Donnerstag, 22 Dezember 2016 18:50
Christian Rohlfs „Berkaer Landstraße“ (1889) Christian Rohlfs „Berkaer Landstraße“ (1889)

Berlin - Das Werk des deutschen Malers Christian Rohlfs läßt sich schwerlich einem bestimmten Stil zuordnen, denn er hat sich an sehr vielem versucht, was zu seinen Lebzeiten in der Malerei aufkam. Im Naturalismus, Impressionismus und Expressionismus hat dieser Künstler gewirkt und hier wie dort seine Spuren hinterlassen.

Geboren wurde er 1849 im holsteinischen Groß Niendorf im Kreis Segeberg als Bauernsohn. 1851 zogen die Eltern um nach Fredesdorf, wo er sich 1864 durch den Sturz von einem Baum eine schwere Beinverletzung zuzog. Wie bei einigen anderen Künstlern (etwa Toulouse-Lautrec oder Guy Rose) wurde ein Unglück aus der Kategorie Unfall oder Krankheit zur Ursache einer Künstlerkarriere, denn der zuständige Arzt, ein Verwandter des Dichters Theodor Storm, versah ihn mit Zeichenmaterial, um die Zeit der Genesung erträglicher zu machen, erkannte sein Talent und förderte es. Auch Theodor Storm selbst setzte sich schließlich für den jungen Mann ein und empfahl ihn 1870 an den Maler und Kunstschriftsteller Ludwig Pietsch. 
Pietsch wiederum vermittelte ihn an die Großherzogliche Kunstschule in Weimar, wo er eine Freistelle in Historien- und Figurenmalerei bei Paul Thumann erhielt. 1873 wurde sein Studium durch eine Beinamputation wegen einer Knochenmarkserkrankung unterbrochen, im Folgejahr jedoch wieder aufgenommen. Nach Ende des Studiums war er selbst als Lehrer und freischaffender Künstler in Weimar tätig. Sein Werk aus jener Zeit orientierte sich zunächst stark am Naturalismus, nahm jedoch mit der Zeit mehr und mehr impressionistische Einflüsse auf. 
Durch den Kunstsammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus kam er 1901 an die Folkwangschule nach Hagen, wo er als Lehrer wirken sollte – das Projekt mißlang jedoch. In dieser Zeit lernte er den Maler und Architekten Henry van de Velde kennen, er entdeckte die Neo- und Postimpressionisten und experimentierte viel mit verschiedenen Stilen, teilweise imitierte er sie auch recht ungeniert. „Goethes Gartenhaus in Weimar“ von 1902 ist Divisionismus Signacscher Prägung in Reinkultur, bei den „Weiden“ (1904) stand unverkennbar van Gogh Pate. 
Um 1905 lernt er bei Arbeiten in Soest Emil Nolde kennen, mit dem er eine dauerhafte Freundschaft schließt. Auch mit Edvard Munch stand er zumindest zeitweise in gutem Kontakt. Mehr und mehr wandte er sich dem Expressionismus zu, ab 1910 ist er diesem eindeutig zuzuordnen. In jenem Jahr wurde er in Darmstadt zum Mitglied der Jury des deutschen Künstlerbundes gewählt. 1924, zum 75. Geburtstag, wurde er mit einer Mitgliedschaft in der Preußischen Akademie der Künste geehrt. Thematisch blieb Rohlfs vielseitig, es entstanden Landschaften, Blumenstilleben, expressionistische Figurendarstellungen und religiös geprägte Arbeiten. 
1927 verlegte er den Schwerpunkt seines Wirkens nach Ascona im Schweizer Kanton Tessin. Sein besonderes Interesse galt dort Pflanzenmotiven, die er in zarter, fast entkörperlicht wirkender Weise in Aquarellen und Pastellen festhielt. Aus Sicht des Verfassers dieses Artikels stellen einige dieser Werke (etwa „San Materno Magnolias“, 1937) die späte Krönung seines Werkes dar. 
1937 wurde Rohlfs durch die engstirnige Kulturpolitik der Nationalsozialisten als „entarteter“ Künstler gebrandmarkt, zahlreiche seiner Werke wurde für die entsprechende Ausstellung beschlagnahmt. Seine Arbeiten waren zwar äußerst vielseitig, doch erhielt er ein generelles Malverbot und wurde am 7. Januar 1938 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. Einen Tag später starb er in Hagen, wo er auch bestattet wurde. Man könnte Rohlfs seine zahlreichen, zum Teil unvermittelten Stilwechsel ankreiden, doch in etlichen seiner Landschaften und vor allem seinen Blumenbildern schuf er ohne Zweifel herausragende Werke.

Verweise: 
https://commons.wikimedia.org/wiki/Christian_Rohlfs?uselang=de 
http://www.christian-rohlfs.de/ 
http://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/christian-rohlfs.html

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