saar-depesche.de

Freigegeben in Medien

ART DEPESCHE

Frederick Arthur Bridgman – amerikanischer Orientalismus in Frankreich

Dienstag, 10 Januar 2017 03:18
Frederick Arthur Bridgman „Das Begräbnis der Mumie“ (Öl auf Leinwand, 1877) Frederick Arthur Bridgman „Das Begräbnis der Mumie“ (Öl auf Leinwand, 1877)

Das Licht der Welt erblickte Bridgman 1847 in Tuskegee, Alabama. Der Vater, ein Arzt, starb 1850, worauf die Mutter mit den Kindern nach New York ging, wo der der Junge sich von 1864-65 bei der American Bank Note Company zum Graveur ausbilden ließ. Im selben Zeitraum besuchte er auch als Schüler zunächst die Brooklyn Art Association und anschließend die National Academy of Design in Manhattan.

Ein Bild auf einer Ausstellung der Brooklyn Art Association fand 1866 großen Anklang und der Schöpfer geneigte Förderer, so daß er sich leisten konnte, seine Anstellung aufzugeben und nach Frankreich zu reisen. Er knüpfte Kontakt zur amerikanischen Künstlerkolonie um Robert Wylie im bretonischen Pont-Aven und spielte mit dem Gedanken, Freilichtmaler zu werden. Die nächsten Sommer verbrachte er dort jeweils einige Wochen.

Von 1866(67?) bis 1870 hatte er das Glück, im Atelier des angesehenen akademischen Malers Jean-Léon Gérôme lernen zu dürfen; hier konnte er seine handwerklichen Fähigkeiten beträchtlich erweitern. Gérôme begeisterte ihn nicht nur für Genauigkeit in der Ausführung, sondern auch für nahöstliche Sujets. Bridgman freundete sich mit verschiedenen Malern wie Thomas Eakins, Earl Shinn und Harry Humphrey Moore an. Seine erste Ausstellungsbeteiligung in Frankreich war der Pariser Salon von 1870, und die Reaktionen waren hervorragend.

Die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges und der Pariser Kommune verbrachte er malend zunächst in Pont-Aven und dann in Spanien. Im Winter 1872/73 besuchte er erstmals Ägypten und Algerien, wo er sich ausgiebig umschaute und arbeitete, und als er im Frühjahr 1873 nach Paris zurückkehrte, brachte er zahlreiche Skizzen, Zeichnungen und Leinwände mit.

Auch den folgenden Winter verbrachte er in Nordafrika. Mit Charles Sprague Pearce, einem Schüler Léon Bonnats, bereiste er Kairo und den Nil, wobei er nicht nur zeichnete und malte, sondern auch begann, sich mit der Fotografie zu befassen. Von der Landschaft war er abgekommen und gab sich nun ganz dem Orientalismus hin. Sein Bild „Das Begräbnis der Mumie“ wurde im Pariser Salon von 1877 ein großer Erfolg, brachte ihm das Kreuz der Ehrenlegion und begründete seinen Ruhm als Künstler und einen Ruf als „amerikanischer Gérôme“.

Bereits 1874 war er zum assoziierten Mitglied der National Academy of Design geworden, 1881 wurde er zum Vollmitglied. Er unternahm in jenen Jahren noch mehrere Orientreisen, wobei er zahlreiche Kunstgegenstände, Kostüme und Antiquitäten mitbrachte, welche in seinen Werken auftauchten. Die größten Erfolge waren wohl seine Teilnahme an der Pariser Weltausstellung von 1889 mit fünf Gemälden sowie 1890 eine Einzelausstellung in New York mit über 400 Gemälden. Als die Ausstellung schließlich nach Chicago weiterzog, waren es nur noch 300 Bilder – eine beeindruckende Verkaufsbilanz. 1907 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Gelegentliche Angaben, wonach Jay Hall Connaway sein Schüler gewesen sei, sind falsch. Dieser studierte bei dem kanadischen Anatomen und Maler George Bridgman.

Bridgman war bis etwa zur Zeit des ersten Weltkrieges durchaus erfolgreich. Danach malte er zwar weiter, zog sich jedoch zusehends zurück. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in der Normandie, wo er 1928 starb. Stilistisch war er trotz seiner Sympathie für die zu Zeiten seiner größten Erfolge ans Licht tretende impressionistische Strömung ein akademischer Maler mit Schwerpunkt auf technischer Meisterschaft. Zweifelsohne war er einer der bedeutendsten Vertreter des amerikanischen Orientalismus.

 

Verweise:

http://www.frederickarthurbridgman.org/
http://www.mezzo-mondo.com/arts/mm/orientalist/american/bridgman/bridgman.html
http://www.artrenewal.org/pages/artist.php?artistid=412

Artikel bewerten
(4 Stimmen)