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Georg Saal – norwegische Landschaften aus der Düsseldorfer Schule

Freitag, 27 Januar 2017 00:00
Georg Saal „Bärenfamilie in Gebirgslandschaft“ (Öl auf Leinwand, 1859) Georg Saal „Bärenfamilie in Gebirgslandschaft“ (Öl auf Leinwand, 1859)

Berlin - Georg Saal war einer von zahlreichen hervorragenden Landschaftsmalern, welche die Düsseldorfer Kunstakademie hervorbrachte. Sein Schwerpunkt, der ihm seinerzeit große Anerkennung brachte, war die Darstellung norwegischer Landschaften, wobei er realistische Detailtreue mit der atmosphärisch-effektbetonten Herangehensweise der Romantik verband.

Geboren wurde Georg Otto Eduard Saal 1817 in Koblenz als Sohn des dortigen Stadtschreibers Otto Philipp Saal. Sein Zeichenlehrer am Königlichen Gymnasium soll Konrad Zick gewesen sein, der einer anerkannten Koblenzer Malerfamilie entstammte und selbst als Portrait- und Landschaftsmaler erfolgreich war. Er verbrachte 1833 einige Zeit bei der Freimaurerei, brach das Gymnasium ab, absolvierte seinen Militärdienst und beteiligte sich 1837 in dessen Rahmen als Zeichner am Wiederaufbau der Burgruine Stolzenfels. Anschließend arbeitete er als Architekt in Koblenz und konnte überdies mit Landschaftsbildern erste regionale Erfolge verbuchen.

Der entscheidende Wendepunkt kam jedoch 1842, als Saal sich an der Königlich-Preußischen Kunstakademie in Düsseldorf, einer der bedeutendsten künstlerischen Hochschulen seiner Zeit, einschrieb. Hier studierte er zunächst Architektur bei Rudolf Wiegmann sowie Landschaftsmalerei bei Johann Wilhelm Schirmer, welcher zusammen mit Carl Friedrich Lessing dort die Kunst der Landschaft zu einer gewaltigen Blüte gebracht hatte. Das Architekturstudium stellte Saal ein, um sich ganz auf die Malerei zu konzentrieren, wobei Schirmer einen überragenden Einfluß auf sein Schaffen hatte. Insbesondere die damals neuartige Auffassung Schirmers, alles Schöne in Gottes Natur sei es wert, dargestellt zu werden, führte Saal zu zahlreichen Ausflügen, die er in Freilichtstudien festhielt.

Sein Studienfreund, der Norweger Hans Gude, sowie einer der damaligen Meister der Landschaft, Andreas Achenbach, dürften sein Interesse an der norwegischen Landschaft geweckt haben. 1847 unternahm er mit einigen Malerkollegen seine erste längere Norwegenreise. Die rauhen, majestätischen Szenerien des Landes beeindruckten ihn zutiefst und wurden zentrales Thema seines künftigen Schaffens.

Zurück in Deutschland wurde er in die Meisterklasse Wilhelm von Schadows, seit 1826 Leiter der Düsseldorfer Akademie, aufgenommen. Er zog 1848 jedoch nach Heidelberg, wo er seine spätere Frau kennenlernte. 1850 folgte seine zweite Norwegenreise. Von etwa jener Zeit an bescherten ihm seine nach Freilichtstudien im Atelier entstandenen, gewaltigen norwegischen Landschaften beeindruckende, nicht zuletzt kommerzielle, Erfolge. Auch die heimische Landschaft stellte er romantisch (und bisweilen zum Kitsch) überhöht dar.

Es folgten Reisen nach Bayern und in die Schweiz. Das von ihm ebenfalls dargestellte Grönland dürfte er indes kaum besucht haben. Er zog 1852/53 mit seiner Frau nach Baden-Baden über, wo er bis zum Tod seinen Hauptwohnsitz hatte, und bald wurde er zum großherzoglich badischen Hofmaler ernannt; zuvor war er bereits Ehrenmitglied der Kaiserlichen Akademie der Künste von St. Petersburg geworden. Es folgte 1854 seine dritte Norwegenreise.

1855 wurde erstmals eines seiner Gemälde zum berühmten Pariser Salon zugelassen und ab 1857 hatte er seinen Zweitwohnsitz in Paris; im Folgejahr besuchte er die Schule der Freilichtmaler von Barbizon. Er erklärte selbst, dort „erst recht sehen gelernt“ zu haben, wandte sich fortan in einem Teil seiner Werke von der romantischen Überhöhung ab und dem dort praktizierten Naturalismus zu, wobei er für den Verkauf jedoch die erfolgreiche bisherige Art gleichsam weiterpflegte.

Es folgten weitere große Erfolge, so erstand 1863 Napoleon III das heute im Louvre hängende Gemälde „La Mare Appia“ für seine Privatsammlung, und 1866 zeichnete ihn der Pariser Salon mit einer Goldmedaille aus. Immer wieder ging es auf Reisen, Saal besuchte England, Savoyen, die Schweiz und den Schwarzwald.

Im Frühsommer 1869 erlitt er jedoch einen ersten Schlaganfall, von dem er sich allerdings erholte; noch im selben Jahr bereiste er erneut Paris, mußte dieses aber im Juli 1870 wegen des Deutsch-Französischen Krieges verlassen. Zurück in Baden-Baden erlitt er einen zweiten Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb wenige Monate später an dessen Folgen und wurde in Baden-Baden bestattet.

 

Verweise:

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/s/seiten/georgottoeduardsaal.aspx?print=true

Letzte Änderung am Freitag, 27 Januar 2017 00:03
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