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Jindřich Štyrský – die tschechische Seite des Surrealismus

Mittwoch, 25 Januar 2017 01:36
Jindřich Štyrský „Obraz“ (1932) Jindřich Štyrský „Obraz“ (1932)

Berlin - In seinem kurzen Leben durchwanderte er verschiedene Stile; er begann mit kubistischen Arbeiten, wurde zum Mitschöpfer der endemisch tschechischen Avantgarde-Strömung des Artifizialismus und begann schließlich, in Prag den Surrealismus zu verbreiten.

Geboren wurde er 1899 in Dolní Čermná (deutsch: Niedertscherma). 1905 starb seine Halbschwester, welcher er stark verbunden gewesen war, an einem Herzleiden. Dies sollte sein Leben und sein Werk prägen. Er bezeichnete später seine Kindheit als seine Heimat, seine Träume als sein Vaterland.

Seine künstlerische Ausbildung begann Štyrský zunächst in Hradec Králové (Königgrätz), von 1920-23 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Prag, unter anderem bei Jakub Obrovský, der vor allem durch Gemälde von Zigeunerinnen bekannt geworden war. Er war bereits sehr aktiv in Künstlerkreisen. 1922 lernte er die Avantgarde-Künstlerin Marie Čermínová, die sich später Toyen nennen sollte, kennen, woraus sich eine intensive Zusammenarbeit ergab, und 1923 schloß er sich der avantgardistischen Gruppe Devětsil (zu deutsch „Pestwurz“ an). Er schuf in seinen frühen Jahren dem Kubismus zuzurechnende Werke.

1925 ging er mit Josef Šíma und Toyen nach Paris; mit letzterer sollte er dort gemeinsam bis 1928 lebenIn Paris stellte er in der Gruppenausstellung L’Art d’aujourd’hui erstmals seine Werke dem Publikum vor. 1926 präsentierten Toyen und Štyrský in ihrem Atelier in Montrouge südwestlich von Paris ihre Arbeiten in einem neuen Stil vor, den sie Artifizialismus nannten. Im Jahr darauf folgte das Manifest dieser Strömung, einer zwischen Kubismus und Surrealismus gelagerten Variante der abstrakten Kunst, die Bilder als Farbgedichte verstand und beim Betrachter Gefühle hervorrufen sollte. Der Artifizialismus blieb jedoch auf eine kleine Gruppe tschechischer Vertreter beschränkt und war nicht sehr langlebig, zumal Štyrský selbst sich bald stärker dem konkreteren Surrealismus annähern sollte.

Nach seiner Rückkehr nach Prag war er im Osvobozené divadlo, dem Prager „Freien Theater“, für die Bühnenausstattung zuständig. 1932 folgte in Prag die gemeinsam mit Toyen und Šíma bestrittene „Exposition Poezie“, welche für den europäischen Surrealismus von einiger Bedeutung war, und er schloß sich der Vereinigung Bildender Künstler an1934 war er mit Toyen, Bohuslav Brouk, Vitezslav Nezval und Karel Teige Mitgründer der tschechischen Surrealistengruppe in Prag.

Ijener Zeit wandte er sich immer mehr der farbigen Collage zu und wurde einer der Pioniere dieses Mediums. 1935 ging er auf Einladung der dortigen Surrealisten erneut nach Paris, wo er jedoch schwer erkrankte, vermutlich litt er am selben Herzfehler wie seine Schwester. Er erholte sich zwar vorübergehend, starb jedoch 1942 in Prag.

Neben Gemälden und Collagen hat Štyrský ein grafisches Werk hinterlassen, er schrieb Gedichte und Prosa, wobei er diese Werke selbst illustrierte. Sein Band Sny („Träume“) sollte bereits 1941 erscheinen, dies unterblieb jedoch wegen der deutschen Besatzung, die Veröffentlichung erfolgte posthum. Auch als Kunsttheoretiker war er tätig, zudem schuf er ein bedeutendes fotografisches Werk.

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