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Witold Pruszkowski – das Morgengrauen des polnischen Modernismus

Freitag, 06 Januar 2017 20:01
Witold Pruszkowski „Wiosna“ (1887) Witold Pruszkowski „Wiosna“ (1887)

Berlin - Witold Pruszkowski wird dem Symbolismus zugerechnet und gilt als Wegbereiter des polnischen Modernismus bzw. Jugendstils. War sein Frühwerk noch vorrangig vom französischen Realismus und Manet beeinflußt, wandte er sich später mystischen Themen zu. 
Geboren wurde er 1846 in der heute zum ukrainischen Staatsgebiet gehörenden Stadt Berschad; seine Kindheit verbrachte er vorwiegend in Odessa und Kiew. 1860 siedelte die Familie nach Frankreich um, und zwar nach Dieppe in der Normandie. 1866 zog Witold nach Paris, wo er bei dem Porträt- und Genremaler Tadeusz Gorecki, dem Schwiegersohn des Schriftstellers Adam Mickiewicz, Unterricht nahm.

Von 1869 bis 1872 setzte er seine Studien an der Münchener Akademie fort, seine Professoren waren hier (mit Vorbehalt, es gibt divergierende Angaben) Alexander Strähuber, der der Düsseldorfer Schule zugerechnete Historienmaler Hermann Anschütz sowie Sándor Wagner. Es folgte weitere Studienjahre (bis 1875 oder 1876) bei Polens bedeutendem Historienmaler Jan Matejko an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau. 
1882 ließ er sich in Mników bei Krakau nieder, wo er sich ausführlich mit stilistisch bisweilen von Manet beeinflußten dörflichen Genreszenen befaßte, doch auch mit Landschaftsmalerei, wobei er sich hier an Camille Corot orientierte. 
Um 1890 entfaltete er eine rege Reisetätigkeit, so besuchte er die Ukraine, Italien, Algerien und Tunesien. Er hatte mehrere erfolgreiche Ausstellungen in Polen und später auch in Berlin, Paris, San Francisco und Chicago. Stilistisch bewegte er sich zusehends in eine vom Symbolismus Arnold Böcklins berührte, mystische Richtung, wobei seine bevorzugten Themen Sagen und Volksmärchen waren, welche er in Pastellen und Ölgemälden umsetzte. Mit diesen Arbeiten wurde er zum Wegbereiter des „Jungen Polen“, welches als polnische Version des Jugendstils gelten kann. 
In seinen letzten Lebensjahren war Pruszkowski schwerkrank. Von einem Aufenthalt bei seiner Familie in Kolomyja im Herbst 1896 verschwand er plötzlich. Später wurde er in einem Zustand völliger Schwäche auf dem Bahnhof in Budapestgefunden. Er wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er zwei Tage später verstarb. Heutzutage sind große Teile seines Oeuvres in den Nationalmuseen in Krakau und Warschau zu sehen, sein Spätwerk (ab 1893) befindet sich im Wesentlichen in der Nationalen Kunstgalerie der heute ukrainischen Stadt Lemberg.

Verweise: 
http://www.pinakoteka.zascianek.pl/Pruszkowski_W/Index.htm

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