saar-depesche.de

Freigegeben in Politik

Trotz anderslautender Bekundungen

Am Standort Büchel werden neue US-Atomwaffen stationiert

Freitag, 25 September 2015 00:49
Atomwaffenstandort Büchel. Aktuelle Lagerstätte. Bild: Digital Globe Atomwaffenstandort Büchel. Aktuelle Lagerstätte. Bild: Digital Globe

Saarbrücken - Auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel sollen neue US-Atomwaffen stationiert werden. Das kann US-Haushaltsplänen entnommen werden. Die neuen taktischen Nuklearwaffen seien wesentlich zielgenauer als die, die bisher in Büchel gelagert wurden. Die 20 geplanten Atomwaffen hätten zusammen die Sprengkraft von 80 Hiroshima-Bomben.

Problematisch aus deutscher Sicht ist nicht nur die Lagerung der gefährlichen Waffen auf deutschem Territorium, sondern auch die Tatsache, dass deutsche Tornado-Piloten im Rahmen der NATO-Strategie der sogenannten „Nuklearen Teilhabe“ die Angriffe mit den Bomben fliegen müssten. Der Atom-Wissenschaftler Hans Kristensen vom „Nuclear Information Projects“ in Washington sagte dazu: „Mit den neuen Bomben verwischen die Grenzen zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen.“ Auch an Standorten in der Türkei und in Italien wollen die USA laut Kristensen atomar nachrüsten.

Auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa zeigte sich besorgt: „Uns beunruhigt, dass Staaten, die eigentlich keine Atomwaffen besitzen, den Einsatz dieser Waffen üben, und zwar im Rahmen der Nato-Praxis der Nuklearen Teilhabe. Das ist eine Verletzung der Artikel 1 und 2 des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomwaffen.“

Innenpolitisch gab es in den letzten Jahren auch mehrere Bekundungen, dass man keine weiteren Atomwaffen der USA auf deutschem Boden lagern möchte. So hatte der Bundestag im März 2010 mit breiter Mehrheit beschlossen, dass die Bundesregierung sich „gegenüber den amerikanischen Verbündeten mit Nachdruck für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland einsetzen“ solle. Auch die Vorgängerin der amtierenden Bundesregierung, die schwarz-gelbe Regierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt, dass die Atomwaffen aus Büchel abgezogen werden sollen.

Der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler sagte, dass in den kommenden Jahren rund 120 Millionen Euro in den Bundeswehrstandort Büchel investiert werden sollen, um die Landebahn des Flughafens mit einem modernen Instrumentenflugsystem auszustatten.

Willy Wimmer, früherer Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium deutete nun an, worum es den USA eigentlich geht. Er sprach von neuen „Angriffsoptionen gegenüber der russischen Föderation“. Wimmer dazu weiter: „Das ist eine bewusste Provokation unserer russischen Nachbarn.“

Artikel bewerten
(1 Stimme)
Schlagwörter: