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Neue Prognose

Bis zu 1,5 Millionen Asylbewerber werden erwartet

Dienstag, 06 Oktober 2015 23:29
Flüchtlingen Flüchtlingen Quelle: PIXABAY.COM

Hamburg - Die „Bild“-Zeitung hat nun berichtet, dass aus einer internen Prognose hervorgehe, dass in diesem Jahr mit rund 1,5 Millionen Asylbewerbern zu rechnen sei. Demnach werde im letzten Quartal 2015 mit der Ankunft von bis zu 920.000 Flüchtlingen gerechnet. Zusammen mit den bislang 573.000 registrierten Flüchtlingen für 2015 käme man auf 1,5 Millionen Menschen.

Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter sagte dazu zwar, dass er dieses Papier nicht kenne, bestritt aber nicht, dass die Zahl der Realität entsprechen könnte. Auch wenn die Bundesregierung sich bisher weigert, die Prognose zu erhöhen, sagte am Wochenende bereits der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier (CDU), das seine ganz persönliche Meinung sei, dass man mit 1,2 bis 1,5 Millionen Asylbewerbern rechnen könne.

Die bayerische Landesregierung geht davon aus, dass allein im September zwischen 270.000 und 280.000 Asylbewerber eingereist sind. Genau weiß man das noch nicht, da viele Asylbewerber erst später registriert werden und einen Asylantrag stellen. Derzeit kommen täglich etwa 10.000 Asylbewerber nach Deutschland, 1,5 Millionen sind daher durchaus realistisch.

Neben Asylbewerbern aus den Balkanstaaten und Flüchtlingen aus Syrien machen sich nun auch immer mehr Afghanen auf den Weg nach Deutschland. Auch SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte nun mit Blick auf diese Entwicklung: „An 800.000 Flüchtlinge im Jahr 2015 glaubt kein Mensch mehr.“

Das Bundesinnenministerium weigert sich bisher, die Prognose anzuheben, weil es davon ausgeht, dass die bisher beschlossenen Maßnahmen und die geplante verstärkte Zusammenarbeit mit der Türkei Früchte tragen und die Asylbewerberzahlen gesenkt werden können.

Trotz der Tatsache, dass auch in den letzten Jahren in der zweiten Jahreshälfte deutlich mehr Asylbewerber als in der ersten Jahreshälfte zuwanderten, beharrt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf seiner bisherigen Prognose: „Wir gehen noch davon aus, dass die Wintermonate dazu führen werden, dass sich der Migrationsdruck verringern wird.“

Die Grünen-Flüchtlingsexpertin Luise Amtsberg sagte dazu: „Anstatt das Verhalten von Bürgerkriegsflüchtlingen populistisch zu kritisieren, sollte de Maizière zugeben, dass er die Lage von Anfang an völlig falsch eingeschätzt hat.“ Auch hält sie hält deutlich höhere Zahlen für denkbar: „In Anbetracht der derzeitigen Sicherheitslage in mehreren Krisenregionen halte ich höhere Flüchtlingszahlen für sehr wahrscheinlich.“

Die neuen Zahlen machen deutlich, wie hoch der Handlungsdruck ist. Werden nicht bald wirksame Maßnahmen ergriffen, wird die Asylflut zu einem Kollaps zahlreicher Kommunen führen.

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