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Armin Laschet, Friedrich Merz oder Jens Spahn?

CDU-Kanzlerkandidatur: Wer bei Grünen- und wer bei AfD-Wählern punktet

Montag, 17 Februar 2020 21:10

Berlin - Die Frage nach der CDU-Kanzlerkandidatur wird auch eine Richtungsentscheidung: Will die Union sich vor allem um das Zurückgewinnen von AfD-Wählern bemühen oder will sie hingegen die bei um 20 Prozentpunkten liegenden Grünen wieder auf Maß zurückstutzen? Offensichtlich ist, dass es schwierig werden dürfte, beide Wählergruppen gleichzeitig anzusprechen. Wer sich auf AfD-Wähler fokussieren möchte, akzeptiert dass die Grünen die SPD auf Dauer als stärkste Oppositionskraft ablösen und zum Hauptgegner in der K-Frage werden. Wer hingegen Grünen-Wähler ins Visier nimmt, wird den Exodus der Konservativen hin zur AfD im Zweifel noch verstärken und endgültig das Ziel aus den Augen verlieren, die AfD langfristig wieder aus den Parlamenten zu vertreiben.

Die CSU hat bereits beide Strategien ausprobiert

Beide Strategien ausprobiert hat bislang nur die CSU – und sich klar dafür entschieden, „in der Mitte“ verortete Grünen-Wähler zurückzugewinnen. Die AfD hingegen soll gesellschaftlich gebrandmarkt, von Geheimdiensten bekämpft und auf diesem Wege zerstört werden. Diese Strategie scheint sich auch in der CDU großer Beliebtheit zu erfreuen. Wohl auch deshalb, weil das intensive Rechts-Blinken der CSU vor anderthalb Jahren keinen Erfolg zeigte. Obgleich Alexander Dobrindt sogar von einer „konservativen Revolution“ fabulierte und Söder von „Asyltouristen“ sprach, blieben die Wähler beim rechten Original. Von den Unionsstrategen nicht so recht bedacht worden zu sein scheint allerdings, dass das Werben um linksgrüne urbane Schichten auch schon länger Teil der Unionsstrategie ist und bereits seit einigen Jahren mit keinerlei messbarem Erfolg betrieben wird.

Werben um  Grünen- und AfD-Wähler bislang erfolglos

Vielmehr bekommt die CDU trotz dezidiert liberaler Großstadtkandidaten und kaum mehr konservativer Programmatik in den urbanen Zentren nahezu flächendeckend keinen Fuß mehr in die Tür, während die Grünen ihr enteilen. Offenbar bevorzugen auch Wähler der Grünen im Zweifel das linksliberale Original und nicht die schlechte Kopie. Damit dürfte das Unions-Problem größer als gedacht sein: Die Partei droht, von links wie rechts zerrieben zu werden. Übrig bleibt nur das aussterbende Stammwählerpotential aus besseren Zeiten der eigenen Parteigeschichte.

AfD- und Grünen-Wähler mit klarer Präferenz in der Kanzlerfrage

Wie dem auch sei: Sowohl Grüne- als auch AfD-Wähler haben jeweils bei der Frage, wer den CDU-Vorsitz übernehmen sollte, eine ganz klare Präferenz unter dem aktuellen Kandidaten-Trio bestehend aus Friedrich Merz, Armin Laschet und Jens Spahn. Bei den Grünen-Wählern liegt ganz klar Armin Laschet vorne, den 27 Prozent der Befragten in einer FORSA-Umfrage vom 10. Februar als ihren Favoriten benennen. Spahn und Merz folgen mit ordentlichem Abstand und jeweils 14 Prozent. Ganz anders – und sogar noch deutlicher – das Bild bei den AfD-Wählern: Ganze 39 Prozent wünschen sich Friedrich Merz. Laschet (6 Prozent) und Spahn (3 Prozent) sind dagegen kaum messbar.

Warum die Teamlösung möglicherweise die schlechteste ist

Unterm Strich wird damit vor allem deutlich: Wer es auf AfD-Wähler abgesehen hat, wird um Friedrich Merz wohl nicht herumkommen. Unwahrscheinlich erscheint derzeit aber, ob ein „bunter Blumenstrauß“ in Gestalt einer aktuell von Parteikreisen beschworenen Teamlösung, die offenbar für jeden etwas bereithalten soll, geeignet ist, das inhaltliche und personelle Vakuum der Unionsparteien zufriedenstellend zu füllen. Gut möglich, dass gerade eine solche Teamlösung für die Partei die schlechteste wäre.

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