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Wehrmacht und Holocaust - Historikerstreit

Dr. Stefan Scheil zur Debatte über die 707. Infanteriedivision in den Jahren 1941/42

Donnerstag, 29 Dezember 2016 01:02
Der grausame Krieg an der Ostfront 1941/42 Der grausame Krieg an der Ostfront 1941/42 Quelle: Bundesarchiv

Saarbrücken - In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. Dezember 2016 hat Dr. Klaus Lankheit, der Archivdirektor des Instituts für Zeitgeschichte in München, meine Monographie über die 707. Infanteriedivision vorgestellt und analysiert.

Die Division wurde seit Mitte der 1990er Jahre beschuldigt, sich als einzige Wehrmachtseinheit aus eigener Initiative und systematisch in Weißrußland am Holocaust beteiligt zu haben. In meiner Studie konnte ich zeigen: die Quellenlage belegt einen anderen Tathergang. Daß trotzdem so häufig etwas Gegenteiliges über die Division verbreitet wurde, habe ich als Nebenwirkung des derzeitigen Wissenschaftsbetriebs ermittelt, in dem spektakuläre Behauptungen zu oft unkontrolliert übernommen und Dokumente dann häufig nur noch in eine Richtung und nicht vollständig weiter interpretiert werden. Dr. Lankheit hat sich dieser Auffassung weitgehend angeschlossen und an die betroffenen Kollegen appelliert, "die Kritik zur Kenntnis zu nehmen und sich auf die erlernten Tugenden zu besinnen. Die vorbehaltslose Quellenkritik und die Einordnung in Zusammenhänge sind Voraussetzungen dafür, ein Bild von der Vergangenheit zu rekonstruieren, das über den ersten, flüchtigen Eindruck hinausgeht."

Ich begrüße diesen Beitrag ausdrücklich als wichtigen Schritt hin zur Versachlichung der Debatte über die Verstrickung der Deutschen Wehrmacht in die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch den nationalsozialistischen Staat. In den letzten zwei Jahrzehnten war diese Debatte zu sehr davon geprägt, in den Reihen der früheren deutschen Streitkräfte nach den Spuren gesamtgesellschaftlicher Verantwortung zu suchen. Dabei ist die zentrale Rolle der nationalsozialistischen Entscheider und Täter in den Reihen von Zivilverwaltung, Sicherheitsdienst der SS und Polizeibataillonen in den Hintergrund geraten. Ohne deren Initiative war der Völkermord jedoch nicht denkbar, und sie haben in Selbstzeugnissen zur Tatzeit eindeutige Spuren ihrer entscheidenden Rolle hinterlassen. Das gilt auch für das Umfeld der 707. Infanteriedivision. Es ist zu wünschen, daß dies künftig angemessener berücksichtigt wird. 

Dr. Stefan Scheil, M.A.  
Neuhofen, 28. Dezember 2016 

Historiker - Forschungsfelder: Politischer Antisemitismus, Holocaust und Internationale Beziehungen 1881-1960 
Mitglied im Deutschen Komitee für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs 
Mitglied der Landesprogrammkommission der Alternative für Deutschland (AfD) in Rheinland-Pfalz 
Dr. Stefan Scheil, 
Rottstr. 31, D-67141 Neuhofen

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