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„Junge Polizei“ / DPolG berichtet von unfassbaren Zuständen

Ekel-Skandal in Hameln: Polizisten mussten verdreckte Asyl-Kaserne beziehen

Montag, 25 April 2016 22:45
Ekel-Skandal in Hameln: Polizisten mussten verdreckte Asyl-Kaserne beziehen Bildquelle: PIXABAY.COM

Hameln – Zur Absicherung des Besuchs von US-Präsident Barack Obama am vergangenen Samstag wurden drei Einsatzhundertschaften der nordrhein-westfälischen Bereitschaftspolizei nach Niedersachsen verlegt. Untergebracht wurden die Beamten in der Hamelner Linsingen-Kaserne, die zuletzt als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber genutzt wurde. Was den Bereitschaftspolizisten damit zugemutet wurde, spottet jeder Beschreibung.

In einer Pressemitteilung machte die Nachwuchsorganisation der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die „Junge Polizei“, die Zustände nun öffentlich. „Nach einem kurzen ersten Blick in die Zimmer war schnell klar, dass die Zimmer für eine Unterbringung von Polizeikräften nicht tragbar sind“, heißt es in der Erklärung, die detailliert schildert, welches Bild sich den NRW-Polizisten nach ihrer Ankunft bot: „Neben Erbrochenem, Fäkalien und Sperma auf dem Boden und an den Wänden, sind die Matratzen, Kissen, Bettdecken und deren Bezüge voller Haare, Blut und Flecken von Fäkalien.“

Ein Polizist, der vor Ort war, berichtete laut „Rheinischer Post“ von Fingerabdrücken an den Wänden, die ausgesehen hätten, als hätte jemand Kot und Blut verschmiert. Auf dem Matratzenschoner habe er große gelbe Flecken gesehen. Höchstwahrscheinlich handelte es sich dabei um Urin. Aus dem Duschraum sei ihm außerdem ein bestialischer Gestank entgegengekommen, so dass er sofort wieder habe umkehren müssen. Auf ihrer Facebook-Seite postete die „Junge Polizei“ diverse Bilder von der verwahrlosten Behausung: www.facebook.com/bepo.deutschland.

Nachvollziehbarerweise weigerten sich die Beamten, die verdreckten Kasernenräume zu beziehen, doch erst nach knapp siebenstündiger Wartezeit konnte mit einer Jugendherberge eine Alternativunterbringung für die erste Nacht bereitgestellt werden.

Am darauffolgenden Tagrückte zwar ein Reinigungsteam an, gesäubert wurden jedoch lediglich Fußböden und Wände. Matratzen, Bettdecken und Bettbezüge wurden nicht ausgetauscht. Dennoch entschied die Leitung schließlich, die Polizisten in den eigentlich unbewohnbaren Zimmern unterzubringen, da keine anderen Räumlichkeiten auf die Schnelle aufgetrieben werden konnte.

Michael Haug, Vizechef der „Jungen Polizei“, ist deshalb empört: „Nach 16 Jahren Hundertschaft und unzähligen Einsätzen bin ich fassungslos darüber, was uns zugemutet wird. Hier geht es nicht um irgendwelche Befindlichkeiten, sondern um die Gesundheit der eingesetzten Polizeibeamten.“ Und weiter: „Wenn die Kollegen zu Razzien in Flüchtlingsunterkünfte gehen, müssen sie Mundschutz tragen. Warum müssen sie dann in einer erst seit Kurzem leer stehenden Unterkunft übernachten, die nicht grundgereinigt wurde. Da stimmt das Fürsorgeverhältnis, das die Polizeiführung eines Landes hat, nicht überein.“

Inzwischen haben die betroffenen Bereitschaftspolizisten Beschwerde bei Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) eingereicht. In einer Petition fordern Angehörige der „Jungen Polizei“ zudem den Rücktritt des Landrates von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), der die Reaktion der Einsatzkräfte auf die zur Verfügung gestellten verdreckten Räumlichkeiten als „überzogen“ bezeichnet hatte.

In dem Petitionstext heißt es: „Wer die Menschenwürde von Beamten mit Füßen tritt und keinerlei Verständnis für menschliche Bedürfnisse aufbringen kann, muss aus dem Amt ausscheiden.“ Herunterspielen wollte den Fall übrigens auch die Konkurrenz der politisch eher konservativ ausgerichteten DPolG, die im DGB organisierte Gewerkschaft der Polizei (GdP), die lediglich von einer „Panne“ sprach.

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