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Thüringen:

Große Mehrheit der FDP-Wähler will pragmatische Zusammenarbeit mit der AfD

Montag, 17 Februar 2020 21:04

Erfurt - In den letzten Tagen wurde viel über die WerteUnion, ein von der CDU-Parteispitze nicht offiziell anerkannter konservativer Verein von CDU-Mitgliedern und -Wählern, und ihr Verhältnis zur AfD diskutiert. Während die Positionierung der Parteibasis der CDU momentan Thema einer vor allem von der politischen Linken geschürten Debatte ist, schaut auf die innere Haltung der FDP kaum jemand.

Braucht auch die FDP eine „WerteUnion“?

Dies mag auch daran liegen, dass es kein einflussreiches nationalliberales Lager in der Partei und damit auch keine „liberale Werteunion“ mehr gibt. Informell gibt es derweil natürlich noch Einrichtungen, auf denen sich FDP- und AfD-Anhänger begegnen und sich austauschen. Hier wäre etwa die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft zu nennen, in der es in den letzten Jahren einen Streit um die Ausrichtung gab, bei dem sich die Nationalliberalen und Libertären durchsetzen konnten. Christian Lindner und andere aus dem liberalen Establishment zogen daraufhin die Reißleine und erklärten ihren Austritt.

Große Mehrheit der FDP-Wähler will pragmatisch mit der AfD umgehen

In Hinblick auf die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen hat derweil eine infratest-dimap Umfrage offenbart, dass die FDP-Wähler in Thüringen Kemmerichs Annahme der Wahl offenbar für richtig gehalten haben und signifikant anders ticken, als die Wähler aller anderen Parteien. Während bei den anderen etablierten Parteien zwischen knapp 70 und über 80 Prozent der Wähler einen Ausschluss jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD für richtig halten, sind es in der FDP gerade einmal 25 Prozent. Für explizit falsch halten den Ausschluss jeglicher Zusammenarbeit allerdings auch nur 13 Prozent – ein Wert, der sich nahe bei dem der anderen Parteien bewegt. Ganze 62 Prozent der thüringischen FDP-Wähler wollen hingegen von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Zusammenarbeit mit der AfD in Betracht kommen könnte.

Eine Position, die zwar vernünftig und frei-demokratisch ist, jedoch beim Partei-Establishment auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte. Insbesondere im Fall von Neuwahlen könnte die nun von Berlin aufoktroyierte scharfe Abgrenzung zur nun wohl mit Abstand zweitstärksten Partei Thüringens im FDP-Landesverband für Rumoren sorgen. Gerade der FDP dürfte es also wichtig sein, in dieser Lage Neuwahlen zu vermeiden.

Letzte Änderung am Dienstag, 18 Februar 2020 00:10
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