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Auch im Saarland gut vernetzt

Jörg Löser engagiert sich für deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen

Mittwoch, 29 Mai 2019 16:01

Saarbrücken – Das allgemeine Russland-Bashing führender hiesiger Politiker und Medien ändert nichts an den vielfältigen deutsch-russischen Kontakten auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet. So besteht zwischen beiden Ländern ein lebendiger Kultur- und Bildungsaustausch. Dazu gehört das „Deutsch-Russische Themenjahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft“ 2018-2020, das die bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Universitäten und Wissenschaften stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken soll. Derzeit verbinden rund 900 Kooperationen die Hochschulen beider Länder. Im Durchschnitt studieren jährlich mehr als 15.000 russische Staatsbürger in Deutschland, von denen jeder Zehnte ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hat. Gleichzeitig sammeln jedes Jahr bis zu 2.000 deutsche DAAD-Stipendiaten Erfahrungen an russischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ werden durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und das Goethe-Institut über 100 russische Schulen beim Auf- und Ausbau ihres Deutschunterrichts unterstützt. Deutsch ist in Russland mit etwa 1,5 Millionen Lernenden – davon etwa 1,1 Millionen an Schulen – nach dem Englischen die zweitbeliebteste Fremdsprache. Das Goethe-Institut ist in Russland deshalb auch mit Einrichtungen in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk vertreten. Um den Schüleraustausch zu intensivieren, wurde schon 2006 die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch mit Sitz in Hamburg gegründet, an deren Projekten jährlich über 15.000 Jugendliche aus beiden Ländern teilnehmen. Darüber hinaus findet in diesem Jahr die „Russische Kultursaison“ mit mehr als 300 Kulturveranstaltungen in deutschen Städten statt. Auch fördert die Bundesregierung die kulturelle Identität der deutschen Minderheit in Russland, die immer noch um die 400.000 Menschen umfasst. Dazu gehören sprachpolitische, soziale und kulturelle Projekte.

Der Pflege des geistigen Austauschs und der Förderung der sanktionsgeschädigten Wirtschaftsbeziehungen hat sich auch die Deutsch-Russische Wirtschaftsallianz verschrieben. Die in Berlin ansässige DRWA ist ein eingetragener Verein deutschen Rechts, der Deutsche und Russen zusammenbringen will, um die wirtschaftliche Kooperation zu vertiefen. Die gemeinnützige Wirtschaftsallianz wurde am 20. Januar 2003 gegründet und am 25. Februar 2003 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Ihr Beratungsprofil beschreibt sie so: „Profitieren Sie von unserer Erfahrung und unserem Netzwerk für Ihre Expansion in Russland. Wir helfen Ihnen, Fallstricke und Roadblocks zu vermeiden, um so auch Ihren wirtschaftlichen Erfolg in Russland zu unterstützen.“

Das DRWA-Büro in der Berliner Mauerstraße 22 ist Kontaktbörse für Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Publizisten und Unternehmer, die trotz der Wirtschaftssanktionen die russisch-deutsche Partnerschaft erhalten und ausbauen wollen. Zum Netzwerk gehören nach eigenen Angaben der Flughafen Leipzig/Halle, die Mannesmann Plastics Machinery GmbH, die KraussMaffei Technologies GmbH, die Demag Ergotech GmbH, die Luratec AG, die Turbomeca Germany GmbH, die Technounion GmbH, die Techtrans Handelskontor GmbH, die Fluggesellschaft Volga-Dnepr und die TRIES-Holding AG. Verbunden mit der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz sind außerdem das Zentrale Aerohydrodynamische Institut (ZAGI) als wichtigstes russisches Luftfahrtforschungsinstitut, das Zentralinstitut für Luftfahrtantriebe (CIAM), das Staatliche Forschungsinstitut für Luftfahrtsysteme (GosNIIAS) und die Guideh Insurance Company.

Die Vorstandsmitglieder der DRWA sind bestens mit Politik und Wirtschaft vernetzt. Zu ihnen gehören der Ehrenvorsitzende Vitaly M. Shmelkov, der Vorsitzende Dmitry Trischin und dessen Stellvertreter Lutz Beyer, der als Rechtsanwalt tätig ist. Für die Geschäftsführung ist Oleg Kislow und für die Schatzmeisterei Ulrich Ullmann zuständig.

Das wichtige Amt des Schatzmeisters hatte bis vor wenigen Monaten noch Jörg Löser inne. Dem Vernehmen nach arbeitet er dem Vorstand inzwischen ohne offizielles Amt zu und lässt für diesen seine guten Kontakte spielen. „Russen-Löser“, wie er von manchen bewundernd und von anderen verächtlich genannt wird, erblickte 1965 das Licht der Welt. Später studierte er an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Philosophie. Danach soll er ein Jahr lang im Hochschuldienst tätig gewesen sein, was ihn trotz seiner wissenschaftlichen Interessen scheinbar nicht ausfüllte. Aus Neugierde auf Neues wurde er Berufssoldat in der Nationalen Volksarmee und stieg dort bis zum Oberleutnant auf. Es ist davon auszugehen, dass in dieser Zeit seine weitverzweigten Kontakte nach Russland entstanden, die ihm nach dem Ende der DDR einen beruflichen Neustart in der Unternehmensberatung und im Finanzmanagement ermöglichten.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Jörg Löser in den Sparten Consulting, Management und Finanzen aktiv. Auf Nachfrage erklärt er, dass er in seinem Philosophiestudium „selbstständiges Denken“ und „die theoretische Analyse von Prozessen“ gelernt habe und von diesem Rüstzeug bis heute als Finanzdienstleister zehre. Kein Wunder, dass er sich im Rahmen seiner breitgefächerten Tätigkeiten den Ruf als gewiefter „Geldbeschaffer“ erarbeitet hat. Er selbst sagt dazu mit gespielter Zurückhaltung: „Ich berate nationale und internationale Unternehmen. Die Aufgaben sind dabei genauso vielfältig wie die Unternehmen, die ich berate. Sie reichen von Unternehmens- und Personalführung bis zur Übernahme von Managementaufgaben in den Unternehmen.“ Der Ex-Offizier hat seinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz, ist aber auch oft in Berlin und Moskau anzutreffen. Offenbar glaubt Löser, ohne offizielles Vorstandsamt der DRWA noch besser Brücken zwischen deutschen und russischen Unternehmen bauen zu können.

Trotz der destruktiven Handelssanktionen der EU sind weiterhin rund 5.000 von den ursprünglich über 6.000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in Russland aktiv. Für das Jahr 2017 war ein positiver Saldo deutscher Direktinvestitionen in Russland zu verzeichnen. Viele russische Regionen werben aktiv um ausländische Investitionen und bieten dabei Vergünstigungen an, die vom Ausweisen von Gewerbeparks und Sonderwirtschaftszonen über die Bereitstellung von Grundstücken, Gebäuden, Verkehrswegen bis hin zu Zollnachlässen, Steuererleichterungen und Verwaltungsvereinfachungen reichen. Unternehmensberater Löser hat hier ein großes Betätigungsfeld zum beidseitigen Nutzen deutscher und russischer Firmen gefunden.

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