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Folge aus Wohnungsmangel und Zuwanderung

Massiver Anstieg der Obdachlosenzahlen

Donnerstag, 08 Oktober 2015 18:22
Wohnungsmangel Wohnungsmangel

Saarbrücken - Schon jetzt sind die meisten Notunterkünfte für Obdachlose überfüllt, der Platzmangel wird in den kommenden Jahren noch dramatischere Ausmaße annehmen. Die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW), Werena Rosenke sagte dazu: „Die leben dann auf der Straße. Das werden wir diesen Winter häufiger sehen.“

Die BAGW warnt davor, dass die Konkurrenz um Schlafplätze in diesem Jahr noch höher sein dürfte als in den vergangenen Jahren. Ein Grund hierfür sei die Tatsache, dass viele Unterkünfte für Asylbewerber benötigt werden. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 335.000 Menschen in Deutschland obdachlos. Dies bedeutet einen Anstieg seit dem Jahr 2012 um 18 Prozent. Laut der BAGW sei in den kommenden drei Jahren mit einem weiteren Anstieg um 60 Prozent zu rechnen.

So prognostiziert die BAGW für das Jahr 2018 eine Obdachlosenzahl von 540.000. Schon im Jahr 2014 war für 40.000 Obdachlose kein Platz mehr in Notunterkünften. Der BAGW-Vorsitzende, Winfried Uhrig sagte dazu: „Wir stellen fest, dass mindestens 2,7 Millionen Kleinwohnungen mit einem bis drei Zimmern fehlen.“ 400 000 neue Wohnungen jährlich seien „dringend nötig“, gerade das Angebot an preiswertem Wohnraum und Sozialwohnungen „völlig unzureichend“.

Neben der Zuwanderung seien die verfehlte Wohnungspolitik und die unzureichende Armutsbekämpfung Gründe für den massiven Anstieg des Mangels an geeigneten Unterkünften. Obwohl die Zahl der Bedürftigen stark gestiegen sei, sei die Zahl der Wohnungen im gleichen Zeitraum nicht nennenswert gewachsen. Solange sich daran nichts ändere, komme es zu einer „unguten Konkurrenz von Zielgruppen“, sagt BAGW-Geschäftsführer Thomas Specht. Specht dazu weiter: „Ob es Verteilungskämpfe zwischen Wohnungslosen und Flüchtlingen geben wird, hängt davon ab, wie die Bundesregierung reagiert.“

Laut dem Verband dürfe sich die Notversorgung der Kommunen künftig nicht nur auf Flüchtlinge konzentrieren. Obdachlose dürften nicht zu Hilfsbedürftigen zweiter Klasse werden. Der BAGW-Geschäftsführer dazu weiter: „Es gibt keinen Übergang in den Wohnungsmarkt, weil der eben dicht ist.“ Die aktuelle Zuwanderung sei ein Katalysator und Verstärker für den Mangel an geeignetem Wohnraum.

Sollte die Zuwanderung auf dem aktuellen Niveau anhalten und sollte die oberste Priorität der Kommunen weiterhin auf der Unterbringung von Asylbewerbern liegen, werden Obdachlose zwangsläufig zu Bedürftigen zweiter Klasse.

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