saar-depesche.de

Freigegeben in Politik

Terrorismusgefahr

Saarländischer Verfassungsschutzchef Helmut Albert warnt vor Vorurteilen gegenüber Salafisten

Mittwoch, 25 November 2015 01:38
Flagge des Saarlands Flagge des Saarlands

Saarbrücken - Der Direktor des saarländischen Verfassungsschutzes, Helmut Albert, warnt vor einer Vorverurteilung von Salafisten. Schließlich sei nicht jeder Salafist gefährlich.

Albert plädierte zudem für Gelassenheit in Zeiten der Terrorgefahr: „Wenn Sie zum Weihnachtsmarkt gehen und ankommen, haben Sie den gefährlichsten Teil schon hinter sich – die Autofahrt“, erklärte er. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu sterben, sei sehr viel höher als Opfer eines Terroranschlages zu werden. Deshalb sollte man sich von den Vorkommnissen in Paris nicht in seinen Gewohnheiten beeinflussen lassen. „Es ist nicht die Frage, ob in Deutschland ein Anschlag verübt wird, es ist nur die Frage wann“, hatte Albert bereits vor Monaten gesagt und angefügt, dass dabei aber sicherlich das Saarland nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehen dürfte.

Er forderte eine bessere Zusammenarbeit mit den Imamen, um in den Moscheen einer Radikalisierung der Moslems vorzubeugen. Vor allem die gemäßigten Salafisten müsse man gewinnen, damit diese auf diejenigen einwirken, die bereits dabei sind, sich zu radikalisieren. „Integrationspolitik ist die beste Prävention“, so der Direktor. „Aber Toleranz ist auch nicht einseitig. Wer am politischen Diskurs teilhaben will, muss die Meinung anderer akzeptieren.“

Auch im Saarland ist die Zahl der Salafisten in diesem Jahr weiter angestiegen. In dem kleinen Bundesland wurden bisher rund einhundert Salafisten vom Verfassungsschutz beobachtet. Rund jeder zehnte unter ihnen gilt als gewaltbereit. Allerdings ist das Saarland das einzige Bundesland, aus dem noch kein Islamist nach Syrien oder in den Irak in den heiligen Krieg ausgereist sei. Allerdings gab es durchaus Pläne unter den Beobachteten, in den Dschihad zu ziehen, berichtet Albert. Umgesetzt worden sind diese jedoch bisher nicht.

Besonders gefährdet seien neben jungen Muslimen vor allem Migranten in den Asylheimen, wie der Vorsitzende des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen vergangene Woche erklärte. „Wir stellen fest, dass Islamisten in Aufnahmeeinrichtungen gezielt Kontakt mit Flüchtlingen aufnehmen. Uns sind bereits mehr als einhundert Fälle bekannt“, erklärte er. „Die einen wollen helfen: Sie bringen traditionelle Bekleidung oder den Koran. Die anderen sprechen Flüchtlinge an, um sie in ihr islamistisches Netzwerk einzubinden.“

Artikel bewerten
(2 Stimmen)