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Präzisionsfehler des G36

Von der Leyen verteidigt de Maizière

Freitag, 12 Juni 2015 16:45
G36 G36 Bild: Sgt. Keith A. Stevenson - http://www.defenseimagery.mil; VIRIN: 970925-M-9917S-034

Berlin - Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nimmt ihren Vorgänger und jetzigen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Schutz: Dieser habe sich während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister im Zusammenhang mit den nun publik gewordenen Problemen mit dem Sturmgewehr G36 nichts zu Schulden kommen lassen.

Sie teilten beide die „selbe Sicht auf die Dinge“, erklärte von der Leyen im Bundestagsausschuss. Beide Minister mussten sich hier bezüglich des G36 erklären. Anders als von Kritikern behauptet, habe de Maizière in seiner Amtszeit als Minister für die Verteidigung nicht versäumt, dem Problem mit dem Sturmgewehr nachzugehen, sondern habe Untersuchungen eingeleitet, auf denen von der Leyen nun aufbauen konnte.

Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der trotz immer wiederkehrender Klagen über die Zielungenauigkeit des G36 an diesem festhielt, war von der Leyen jedoch zu dem Schluss gekommen, dass 167.000 Gewehre ausgemustert, beziehungsweise nachgerüstet werden müssten. Die von ihm in die Wege geleiteten Untersuchungen hätten alle dazugeführt, „dass nach meiner damaligen Kenntnis das Gewehr G36 voll einsatztauglich ist, ein gutes Gewehr ist und Einschränkungen im Einsatz nicht geboten sind“, erklärte de Maizière. „Das war das Lagebild meiner Amtszeit. Zu der Zeit danach werde ich mich nicht äußern.“ Die Ministerin ergänzte, viele Fakten hätten ihr nur dank der Vorarbeit von de Maizière zur Verfügung gestanden. „Daher sind wir mit neuem und anderem Wissen an den Punkt gekommen, wo wir sagen, dass das G36 in seiner jetzigen Form keine Zukunft hat.“

Kritiker behaupten hingegen, der CDU- Politiker habe die bereits seit Jahren bekannten Probleme des G36 unter den Tisch gekehrt und wissentlich verschleppt. Außerdem steht der Vorwurf im Raum, dass Kritik am G36 bisher nicht nur unerwünscht war, sondern auch aktiv unterbunden wurde. So berichteten mehrere Mitarbeiter des Wehrwissenschaftlichen Dienstes, dass ihnen die Untersuchungsaufträge entzogen worden, nachdem sie Fehler festgestellt hatten.

„Es scheint ja immer klarer zu werden, dass die Heckler&Koch-Seilschaft im Ministerium gnadenlos gegen alle Kritiker vorgegangen ist“, sagte Jan van Aken (Linke). „Die G36-Freunde im Ministerium haben offenbar ein echtes Klima der Angst erzeugt.“

Agnieszka Brugger (Grüne) sieht das Ähnlich: „Offensichtlich verlief ein tiefer Riss durch das Verteidigungsministerium und den nachgeordneten Bereich. Auf der einen Seite standen diejenigen, die pflichtbewusst und ordnungsgemäß die Probleme einfach lösen wollten und dafür regelrecht bestraft wurden. Auf der anderen Seite solche Mitarbeiter, die auch jede Kritik und zahlreiche Hinweise mit aller Macht über Jahre erfolgreich unterdrückt haben.“

Letzte Änderung am Freitag, 12 Juni 2015 16:48
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