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Dr. Dirk Spaniel glaubt an den Gas-Antrieb

CNG im Aufwind: Verbrenner nun doch bis 2050 Teil der VW-Konzernstrategie

Mittwoch, 03 Juli 2019 01:31
Wird der CNG-Motor in seiner Effizienz unterschätzt? Wird der CNG-Motor in seiner Effizienz unterschätzt? Quelle: Volkswagen AG

Wolfsburg - Im Dezember 2018 verkündete der Produkt-Stratege des Volkswagen Konzerns Michael Jost die grüne Botschaft: Im Jahr 2026 beginne der letzte Produktstart auf einer Verbrennerplattform. Im Klartext: Etwa ab dem Jahr 2040 will der größte Automobilhersteller der Welt keine Fahrzeuge mit klassischer Motorisierung mehr verkaufen.

VW wollte bislang nur noch Elektromobilität vorantreiben

Eine Zielsetzung, die einerseits als ambitioniert gelobt wurde, andererseits auch auf deutliche Kritik gestoßen ist – zumal der Konzern sich stärker als alle Mitbewerber dahingehend festlegt, dass reinen Elektroautos mit Batterie die Zukunft gehört. Wasserstofffahrzeuge und Hybridautos sollen nach jetzigem Stand in der Produktpalette wohl keine Rolle spielen.

Wie selbstverständlich wurde bislang angenommen, dass dies auch für die bivalenten CNG-Autos des Konzerns gelten würde, da diese immerhin letztlich Verbrennermotoren zum Antrieb nutzen. Neben einem Erdgastank (CNG) verfügen sie auf Grund des noch ausbaubedürftigen Tankstellennetzes zusätzlich über einen kleinen Benzintank als Notreserve.

Auf CNG Mobility Days in Berlin wird klar: Auch Erdgasautos haben eine große Zukunft

"Beim Gas-Antrieb sind wir in einer führenden Position", erklärte der CNG-Beauftrage von Volkswagen Stephen Neumann nun jedoch gegenüber dem Handelsblatt anlässlich der kürzlich stattgefundenen 3. CNG Mobility Days in Berlin und hat damit Recht: Mit fast 20 CNG-Fahrzeugen im Angebot der Konzernmarken von Volkswagen ist der Hersteller hier mit weitem Abstand unangefochtene Nummer 1. Bis 2025 will Volkswagen die Zahl der CNG-Fahrzeuge auf deutschen Straßen auf eine Million verzehnfachen und sich massiv am Ausbau entsprechender Tankstellen beteiligen.

Warum CNG am Ende CO2-neutral wird und es zum Teil sogar heute schon ist

Doch warum investiert der Konzern plötzlich in eine fossile Verbrennertechnologie? Weil die Zukunft von CNG nicht fossil, dafür aber CO2-neutral sein wird. In Schweden werden schon heute 90 Prozent des verbrannten CNG in Biomethananlagen hergestellt, in denen aus Abfall und sogar aus schlichtem Stroh in beeindruckender Effizienz Gas für Automotoren gewonnen wird. Eine weitere Option ist das bereits aktuell in Deutschland zum Teil verwendete „e-Gas“, das aus Offshore-Windstrom erzeugt wird und ebenfalls CO2-neutral ist. Übrigens sind Stickoxide, Feinstaub, Rußpartikel und ähnliches bei CNG-Abgasen nahezu nicht vorhanden, weswegen aktuell selbst alte CNG-Fahrzeuge der ersten Generation nirgends von Fahrverboten betroffen sind.

CDU stellt klar: Technologiefrage noch nicht zugunsten der E-Mobilität entschieden

Einziger Grund für das noch nicht erfolgte Durchstarten von CNG als dem neuen Mobilitätskraftstoff: Die Zurückhaltung der Politik auf Grund der Fokussierung auf die in Hinblick auf die Umwelt, die Ladestationen und die Preise problembehaftete E-Mobilität. Doch genau das scheint sich jetzt zu ändern. So kassierte der bisherige CNG-Verweigerer BMW auf dem jüngsten Gipfeltreffen zwischen Spitzenpolitik und Autoindustrie mit seiner Forderung nach einer noch weitergehenden Förderung von E-Autos eine deutliche Absage der CDU. Der niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und der stellvertretende Parteivorsitzende Thomas Strobl wiesen darauf hin, dass die Frage nach der optimalen Technologie nämlich „noch unbeantwortet“ sei. Deshalb seien auch Autogas (LPG), Erdgas für Autos (CNG) und Wasserstoff zu berücksichtigen.

AfD will E-Fuels mit Elektromobilität gleichstellen

Eine Position, die auch die AfD Bundestagsfraktion vertritt. Die interessiert sich vornehmlich für die oben bereits angesprochenen „E-Fuels“, die synthetisch und im Idealfall aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Dr. Dirk Spaniel fordert daher die Gleichstellung derartiger Konzepte mit der aktuell deutlich bevorzugten Elektromobilität, denn: „Eine ideologisch getriebene Verkehrs- und Umweltpolitik konterkariert eine vernünftige Wirtschaftspolitik“, so Dirk Spaniel.

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