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Mit Günter Döring und Robert Percy Meister an den vollregulierten Markt

Dr. Michele Sciurba über die „schillernde Persönlichkeit“ Jürgen Wagentrotz und die Neuausrichtung der Oil & Gas Invest AG (OGI AG)

Donnerstag, 29 Oktober 2015 20:16
Logo der OIL & GAS INVEST AG Logo der OIL & GAS INVEST AG Quelle: OIL & GAS INVEST AG

Frankfurt am Main – Der frühere Möbelhaus- und Glücksspielunternehmer Jürgen Wagentrotz sorgte jüngst für eine Überraschung, als er seinen Rückzug von der Unternehmensspitze der Oil & Gas Invest AG (OGI AG) erklärte und den Staffelstab an den vormaligen Aufsichtsratschef Günter Döring übergab. Kurz zuvor hatte die Aktionärsversammlung Wagentrotz noch einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Was bewog den umtriebigen Selfmade-Millionär, über den Brancheninsider leicht spöttisch bemerkten, er wolle mit der OGI AG „auf seine alten Tage nochmal J.R. Ewing spielen“, zu diesem Schritt?

Offiziell nannte der 71-Jährige Altersgründe und die Verlagerung seiner Aktivitäten auf die von ihm ins Leben gerufene Stiftung „Angels in Action“. Soziales und humanitäres Engagement spielt bei dem gebürtigen Erfurter, der 1961 in den Westen übersiedelte, tatsächlich eine bedeutende Rolle. In großem Umfang unterstützt die OGI AG die Migrant Offshore Aid Station (MOAS), die sich der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer widmet, in kleinerem Umfang werden auch Einzelprojekte der Faust-Kultur-Stiftung in Frankfurt am Main unterstützt.

Im Gespräch mit der SAAR DEPESCHE nennt der Unternehmensberater (GMVV & Co. GmbH) und Verleger (Faust Kultur GmbH) Dr. Michele Sciurba, der die OGI AG seit letztem Jahr berät und auf der Netzseite des Unternehmens in seiner Eigenschaft als Prokurist (Handlungsvollmacht B) auch als Mitglied des Managements ausgewiesen wird, einen weiteren Grund, der in der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt war. Offenbar hatte Wagentrotz, der sich gedanklich noch immer in der Welt des klassischen Einzelkaufmannes bewegt, wenig Sinn für die mittlerweile vollkommen veränderten Marktvoraussetzungen, wobei – schließlich strebt die OGI AG an den vollregulierten Markt – natürlich auch gewisse rechtliche und unternehmensstrategische Gesichtspunkte eine Rolle spielen.

Sciurba nennt Wagentrotz eine „schillernde Persönlichkeit“, was er keinesfalls als Synonym für „unseriös“ verstanden wissen will. Vielmehr soll sich der gelernte Hotelkaufmann immer wieder daran gestört haben, dass „das Geschäft heutzutage nur noch die Juristen bestimmen“. Wagentrotz hätte es, so Sciurba, gut gemeint, als er seinerzeit mit seinem beträchtlichen Privatvermögen von rund 100 Millionen Euro für eventuelle Ausfallrisiken der OGI-Anleihen für Erdöl- und Erdgasbohrungen in den USA haften wollte. Diese Garantie stellte nach Ansicht der BaFin allerdings ein sogenanntes erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft dar. Deswegen erstattete die OGI AG bis dato gezeichnetes Kapital in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro zuzüglich Zinsen an die Anleger zurück und setzte parallel dazu einen neuen Darlehensvertrag ohne Rückzahlungsgarantie von Wagentrotz auf. „Die Idee, dass das rechtlich nicht zulässig sein könnte, ist ihm gar nicht gekommen“, erklärt OGI-Berater Sciurba gegenüber der SAAR DEPESCHE.

Ob die Garantie wirklich nicht rechtens war, wurde nie juristisch geklärt. Sciurba, der in die Verhandlungen mit der BaFin involviert war, führt dazu aus: „Nachdem die BaFin moniert hatte, dass der Gesamteindruck eine unbedingte Rückzahlbarkeit des Nachrang-Darlehens erwecken würde und dass die Garantieerklärung von Herrn Wagentrotz möglicherweise ein Verstoß gegen das Einlagen-Sicherungsgesetz darstellen würde, haben wir unter Hinzuziehung von Willkie Farr & Gallagher LLP und White Case LLP die Verhandlungen mit der BaFin aufgenommen. Ziel war es hier zu einer einvernehmlichen Lösung der aufgeworfenen Probleme zu kommen.“

Und weiter: „Die offenen Rechtsfragen wurden final nie einer gerichtlichen Klärung zugeführt, sondern zur Vermeidung langjähriger, prozessualer Auseinandersetzungen stimmte die OGI AG einer Teilrückabwicklung der eigeworbenen Gelder zu. Dieser Vorgang dürfte wohl im grauen Kapitalmarkt einmalig sein, dass mehrere Millionen an Anlegergeldern inklusive Zinsen an die Anleger zurückgezahlt wurden und es zu keinerlei Ausfällen gekommen ist.“ Zudem sei im Zuge der Einigung mit der BaFin von dieser akzeptiert worden, dass der Gesellschaft nahestehende Personen nicht rückabgewickelt werden mussten. Das aktuelle Angebot sei schriftlich mit der BaFin abgestimmt und ihr mehrfach durch die Kanzlei Willkie Farr & Gallagher LLP zur Kenntnis gebracht worden. „Da es sich hierbei nicht um ein genehmigungspflichtiges Geschäftsmodell handelt, wurde hier mit äußerster Sorgfalt und weit über das übliche Maß hinaus die Aufsichtsbehörde umfassend frühzeitig informiert. Insofern sehe ich das Angebot als unproblematisch an“, ist Sciurba überzeugt.

Der promovierte Philosoph, der mit seiner Unternehmensberatung GMVV & Co. GmbH weit über die Grenzen Frankfurts hinaus als Experte für komplexe Cross-Border-Transaktionen im M&A-Bereich bekannt ist, sieht nach der Übernahme des Vorstandsvorsitzes durch Günter Döring den Weg frei für eine Neuausrichtung der OGI AG. Sciurba hierzu gegenüber der SAAR DEPESCHE: „Bestandteil dieser Neuausrichtung und Professionalisierung der Gesellschaft ist neben der Einführung von fortlaufenden Finanz- und Budgetplanungen und eines modernen Controlling-Systems auch die freiwillige Prüfung der Bilanzen durch eine renommierte Wirtschaftsprüfer-Gesellschaft. Die OGI AG wird zukünftig die hohen Anforderungen einer am Kapitalmarkt orientierten Gesellschaft im regulierten Markt erfüllen und alle dafür notwendigen Maßnahmen zeitnah, soweit sie nicht bereits umgesetzt sind, umsetzen.“ Wenn man heute auf die neue Website der OGI AG gehe, werde man feststellen, „nicht nur ein deutlich konservativerer Stil Platz gegriffen hat, sondern auch, dass die substantiell belastbaren Informationen, Zahlen, Daten und Fakten verfügbar sind“, so Sciurba.

Offenbar will der neue Unternehmenschef Günter Döring konsequent für Transparenz sorgen. Der 1956 in München geborene Architekt und Grafik-Designer hat sich schon seit 1998 auf die Entwicklung von E-Commerce-Projekten spezialisiert. Die OGI AG begleitet Döring seit 2011, ein Jahr später wurde er zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt, seit September 2015 steht er an der Spitze des Unternehmens. An der OGI AG hält er selbst einen Anteil von 8,7 Prozent. Ihm zur Seite wird nicht nur weiterhin Dr. Michele Sciurba stehen, sondern auch der Jurist Robert Percy Meiser, 1966 in Königstein im Taunus geboren, von 2000 bis 2011 Rechtsanwalt in der von ihm mitgegründeten Kanzlei Geisendörfer-Meiser und seit 2013 für die in Northport (Alabama) ansässige OGI-Tochter OGI Holding Corp. tätig. Inzwischen lebt Meiser in den USA und leitet vor Ort die Geschäfte als Managing Director.

Über die von Meiser umsichtig gelenkte Tochtergesellschaft in den USA akquiriert und erschließt die OGI AG Öl- und Gasfelder in Nordamerika und verkauft die Rohstoffe anschließend an die verarbeitende Industrie weiter. Derzeit ist das Unternehmen in den Bundesstaaten Alabama, Mississippi, Kentucky und Tennessee in Fördergebieten tätig. Allein in Mississippi werden die Reserven auf rund 120 Millionen Barrel Erdöl im Wert von ca. 4,7 Milliarden Euro geschätzt. Über die Chancen und Risiken einer Beteiligung per Nachrangdarlehen an diesen Projekten kann sich dank der neuen Transparenzlinie von Günter Döring, Robert Percy Meiser und Dr. Michele Sciurba nun jeder Anleger selbst ein umfassendes Bild machen. Damit hebt sich die Frankfurter Gesellschaft tatsächlich positiv von vielen Mitbewerbern ab.

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