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Neue Investmentprodukte und Expansion ins Ausland

Exporo und Zinsland: Mega-Fusion revolutioniert den Markt für Immobilien-Crowdinvesting

Montag, 21 Oktober 2019 23:09
Zinsland und Exporo Zinsland und Exporo

Hamburg – Ende 2014 gründeten Simon Brunke, Björn Maronde, Julian Oertzen und Tim Bütecke in Hamburg die Exporo AG, um den bislang nur privaten Großinvestoren und institutionellen Anlegern vorbehaltenen Immobilienmarkt für Kleinanleger zu öffnen und damit zu demokratisieren. Über die gleichnamige Online-Plattform hat Exporo bis heute 210 Immobilienprojekte mitfinanziert und dafür fast 522 Millionen Euro von Crowdanlegern eingeworben. Eigenen Angaben zufolge wurden schon mehr als 186 Millionen Euro zurückgezahlt. Projektträger können sich über die Crowdinvesting-Plattform bankenunabhängig das benötigte Investitionskapital besorgen, und die Anleger profitieren von Zinsen bis zu sechs Prozent. Exporo erhält von den Projektgesellschaften für die Nutzung des digitalen Marktplatzes eine Vermittlungsprovision. Beim Anlagemodell „Exporo Finanzierung“ können die Crowdinvestoren schon ab einer Summe von 500 Euro einsteigen und bei der Investmentform „Exporo Bestand“ ab 1.000 Euro.

Unlängst gab Deutschlands Marktführer im Immobilien-Crowdinvesting bekannt, dass er seinen schärfsten Konkurrenten Zinsland übernimmt. „Beide Teams waren und sind auf massivem Wachstumskurs, wir brauchen jede Hand und jedes Hirn“, betont Zinsland-CEO Henning Frank. Das ebenfalls in Hamburg ansässige Unternehmen kommt auf ein Finanzierungsvolumen von unter 100 Millionen Euro. Im Gegensatz zu Exporo gab es bei Zinsland schon Projekte, die in finanzielle Schieflage geraten sind. Zwei Projektentwickler mussten sogar Insolvenz anmelden. Beim Marktführer kam es in einzelnen Fällen lediglich zu Zahlungsverzögerungen, aber niemals zu Zahlungsausfällen.

Die Fusion der beiden Schwergewichte für digitale Immobilieninvestments war auch Thema in den renommierten Wirtschaftszeitungen. So berichtete das „Handelsblatt“ am 2. Oktober unter der Überschrift „Führendes Crowdinvesting-Immobilienportal Exporo übernimmt Konkurrenten Zinsland“ und konstatierte: „Die Konsolidierung im Immobilien-Crowdinvesting nimmt Fahrt auf. Mit der Übernahme des Konkurrenten baut Exporo seine Marktführung weiter aus.“ Gleichentags analysierte auch „Capital.de“ den Merger-Clou der Exporo AG, die durch die Übernahme von Zinsland noch marktmächtiger wird. Dort hieß es unter anderem: „Beide Start-ups finanzieren Immobilienprojekte mit dem Geld von Crowdanlegern. Exporo ist in dem Markt bereits der mit Abstand wichtigste Player: Das Unternehmen hat Crowdgelder in Höhe von einer halben Milliarde Euro eingeworben – etwa die Hälfte des bislang insgesamt finanzierten Volumens entfällt damit auf die Hamburger Plattform. Zinsland, die Nummer zwei, kommt nach eigenen Angaben auf ein Finanzierungsvolumen von etwa 90 Millionen Euro. Das Rennen im Markt ist damit so gut wie entschieden.“ Laut dem Portal Crowdinvest.de, das sich als Datenbank und Erfolgsmonitor für Crowdinvestments im Immobilien- und Energiesektor versteht, vereinen Exporo und Zinsland fast drei Viertel des Immobilienmarktes für Kleininvestoren auf sich.

Andere Anbieter digitaler Immobilieninvestments spielen da kaum noch eine Rolle und dürften schnell aus dem Blickfeld der Anleger geraten. Selbstbewusst kündigte Exporo-Vorstandschef Simon Brunke deshalb eine Auseinandersetzung mit konventionellen Anlageformen an, die er für weitgehend überholt hält: „Die anderen Immobilien-Crowdinvesting-Portale sind nicht mehr unsere Konkurrenz, sondern es ist die große alte Anlagewelt wie zum Beispiel Immobilienfonds.“

Die Expansionsstrategie von Exporo äußert sich sowohl in der Entwicklung neuer Investmentprodukte als auch im Ausgreifen auf europäische Nachbarmärkte. So setzt man seit Kurzem Token ein, um auch kleinere Teile der Immobilienprojekte mittels der Blockchain-Technologie handelbar zu machen. Die Herausgabe Token-basierter Anleihen auf Immobilienvermögen sorgte in diesem Sommer für reichlich Aufmerksamkeit. Den entsprechenden EU-Wertpapierprospekt hat man bei der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF registrieren und dann bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) notifizieren lassen. Die tokenisierte Anleihe darf von der Exporo AG nun in der ganzen Europäischen Union angeboten werden. Nach Darstellung des Hamburger FinTech sorgt die Tokenisierung dafür, den ganzen Anlageprozess schneller, transparenter und preiswerter zu machen. So könnten Bestandsimmobilien noch besser an die Anleger gebracht werden.

Ein weiterer Vorteil der Blockchain-Technologie besteht darin, die Mindestanlagesumme theoretisch auf einen einzigen Euro zu verringern, um schon mit kleinsten Beträgen eine risikomindernde Portfolio-Diversifzierung zu ermöglichen. Mit Blick auf die Absenkung der Investmentgrenze auf bis zu einem Euro sagte Brunke: „Wir arbeiten zum Beispiel an einem Sparplan, mit dem Anleger jeden Monat einen bestimmten Betrag in Immobilien stecken können.“ Die Token-Anleihe soll innerhalb weniger Stunden zur vollständigen Finanzierung eines Ärztehauses in Hamburg-Poppenbüttel im Volumen von rund drei Millionen Euro geführt haben. Perspektivisch will man sogar komplett auf digitale Wertpapiere auf Blockchain-Basis umstellen.

Wer derart vor Innovationsfreude sprüht, will sein Geschäftsmodell auch ins Ausland exportieren. In Österreich sind die norddeutschen Crowdinvesting-Profis bereits aktiv und unterstreichen das mit ihrer Rolle als offizieller Partner des SK Austria Klagenfurt. Für die nächsten Monate ist der Eintritt in den niederländischen und französischen Immobilienmarkt geplant. Für dieses ehrgeizige Ziel kann die Vorstandsmannschaft um Simon Brunke das Fachpersonal des bisherigen Konkurrenten Zinsland gut gebrauchen. Die Gesamtzahl der Beschäftigten steigt durch die 40 Zinsland-Mitarbeiter auf über 200. Bis Ende des ersten Quartals 2020 will das Gemeinschaftsunternehmen weitere 50 Leute einstellen. Bislang waren allein bei Exporo 70 Immobilienexperten damit beschäftigt, die konkreten Projekte zu bewerten, auszusuchen und deren vertragsgemäße Realisierung zu überwachen. Dem Vernehmen nach werden nur etwa 10 Prozent der Anfragen auf Projektfinanzierung als seriös und renditeträchtig erachtet. Im Umkehrschluss heißt das, dass fast 90 Prozent der vorgestellten Projekte gar nicht erst auf der eigenen Digitalplattform angeboten werden.

Um die Auslandsexpansion finanziell abzusichern, erhielt die Exporo AG im Sommer von Risikokapitalgebern stattliche 43 Millionen Euro. Investoren wie E.ventures und Holtzbrinck sollen insgesamt fast 60 Millionen in das FinTech gesteckt haben. Zinsland bringt weiteres Kapital für den Ausbau der Marktführerschaft im Inland und den Markterfolg im Ausland mit. Mittelfristig hält der Vorstand auch einen Börsengang für denkbar. Wer das Unternehmen kennt, zweifelt kaum daran, dass es in zwei oder drei Jahren soweit ist.

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