saar-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft

Ein den Anbau begünstigendes Klima

Feinster Kakao: Wie Dr. Stephan Welk für die Plantagen auf São Tomé e Príncipe ein Netzwerk spinnt

Samstag, 05 November 2016 15:14
Für Kakao aus São Tomé e Príncipe macht sich Dr. Stephan Welk stark Für Kakao aus São Tomé e Príncipe macht sich Dr. Stephan Welk stark Quelle: São Tomé e Príncipe

São Tomé - Kakao ist das Rohprodukt aus dem die leidenschaftlichsten Genussmittel hergestellt werden. Momente der Belohnung waren es immer, wenn man sich ein wärmend süß schmeckendes Praliné gönnte. Und die warme Schokolade zum Frühstück an kalten Tagen gehört zu den schönsten Kindheitserinnerungen so vieler. Dass Kakao natürlich auch ein knallhartes Geschäft sein kann, beginnt nicht erst im Wettbewerb von Milka, Lindt oder Ferrero in den Supermarktregalen. Der Anbau von Kakao auf Plantagen in klimatisch begünstigten Regionen ist mindestens ein ebenso hartes Geschäft.

Ursprünglich hat Kakao seine Wurzeln in Mittelamerika. Der Name entlehnt sich aus der Sprache der Mayas und wurde über das Aztekische herüber ins Spanische und nach Europa gebracht. Inzwischen finden sich aber die wichtigsten Anbaugebiete im westlichen Afrika. Die Elfenbeinküste und Ghana zählen zu den größten Produzenten weltweit.

Und im Golf von Guinea, jener klimatisch besonders verwöhnten Region, hat sich der Inselstaat São Tomé e Príncipe zum Produzenten für ganz besondere Kakaoqualität entwickelt. Dr. Stephan Welk, gebürtiger Deutscher, ist Sonderbotschafter für den kleinen afrikanischen Staat. Er beschreibt gegenüber SAAR DEPESCHE die Einzigartigkeit der Kakaobohnen von São Tomé als "Spitzenprodukt". Aber Welk hat natürlich auch die diplomatische Aufgabe für São Tomé e Príncipe zu werben. Wen wundert es da, dass es ihm schmeckt?

Aber der Anbau von Kakao hat auch seine bittere Seite. Vor allem im von Bürgerkriegen geschüttelten Westafrika waren die endlosen Monokulturen für Kakaobohnen hart umkämpfte Ziele. Einzig São Tomé e Príncipe blieb in dieser Region immer friedlich und etwas verschlafen. Da Lebensmittel in Europa längst auch mit ethischen Überzeugungen aufgeladen werden, gewinnt daher Kakao aus São Tomé e Príncipe, eigentlich ein Nischenproduzent im Schatten von Ghana, Kamerun und Nigeria, immer weiter an Bedeutung. Kakao aus São Tomé e Príncipe ist ethisch besehen "clean".

Dr. Stephan Welk, der vor seiner diplomatischen Tätigkeit für São Tomé e Príncipe Vorstand eines international agierenden Ölkonzerns war, stand zeitweise im Verdacht auch an Marktmanipulationen für die internationalen Kakaopreise beteiligt gewesen zu sein. Seit 2009, in etwa jener Zeitpunkt an welchem Stephan Welk sein Engagement für Westafrika entwickelte, kommt es Jahr für Jahr zu Preiserhöhungen und Produktverknappungen im Kakaomarkt. Hedgefonds übernehmen immer mehr die Marktmacht.

Sicherlich ist der Deutsche Stephan Welk, für São Tomé e Príncipe bei der Europäischen Union als Diplomat akkreditiert, nur ein einzelner Wirkender im globalen Geschäft. Aber seine Verknüpfungen von Cargill, dem weltweit größten Kakaoproduzenten, mit der schweizerischen Barry Callebaut gilt im Markt als legendär. Die wohl informellen Treffen in Zürich mit Walther Andreas Jacobs und David W. MacLennan waren eher konspirativ, aber bedeutsam für einen sich rasch verändernden Markt. Dr. Stephan Welk war nie bestimmende Akteur. Auch hätten die Produktionskapazitäten von São Tomé e Príncipe nie für ein solches Gewicht genügt. Dennoch gilt Welk als Ideengeber und besonders effektiver Netzwerker, dem die Marktaufsicht in so vielen Staaten noch nie etwas nachweisen konnte.

Ein besonders ausgeschlafener Netzwerker scheint hier auf den süßen Geschmack gekommen zu sein.

Artikel bewerten
(12 Stimmen)