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Corona-Krise lässt den Markt für Blockchain-Anwendungen deutlich anwachsen

Kryptogeld-Experte Michael Thomale von Nexus Global rechnet mit weiter steigendem Bitcoin-Kurs

Mittwoch, 09 Dezember 2020 01:45
Michael Thomale glaubt an das Potenzial des Bitcoin. Michael Thomale glaubt an das Potenzial des Bitcoin. Quelle: Nexus Global

London – „Corona“ hat die Realwirtschaft fest im Griff und sorgt reihenweise für Unternehmenspleiten, Entlassungen, gestoppte Investitionen, brüchige Lieferketten und wegbrechende Exportmärkte. Planlos agierende Politiker haben nicht nur die deutsche Wirtschaft in ein Wachkoma versetzt, dessen ökonomische Langzeitfolgen noch gar nicht absehbar sind. Volkswirtschaftler rechnen damit, dass der Corona-Krise eine weitere Euro-Krise folgen wird. Je heftiger die Rezession verläuft, desto schwerwiegender sind die Auswirkungen auf die ohnehin schon hochverschuldeten Südländer der Europäischen Union. In Italien, Spanien und Frankreich explodieren schon jetzt die öffentlichen Verbindlichkeiten durch die schuldenfinanzierten Anti-Corona-Maßnahmen. Kann die Wirtschaftsleistung in diesen Ländern nicht schnell wieder hochgefahren werden, gefährdet die Staatsschuldenkrise die weitere Existenz der Gemeinschaftswährung Euro.

Die Krise erschüttert damit auch das Stabilitätsversprechen des klassischen Geldes und führt zu einem massiven Digitalisierungsschub des gesamten Lebens. Der Trend zu immer mehr internetbasiertem „Homeoffice“ und „Homeschooling“ belegt das. Der Markt für Blockchain-Anwendungen wächst deutlich, wozu auch die Erzeugung von Kryptowährungen gehört. Bitcoin-Freunde sind seit Langem davon überzeugt, dass die Digitalwährung Schutz von den negativen Folgen einer expansiven Geldpolitik bieten kann, zum Beispiel der steigenden Inflationsgefahr. Genau eine solche Geldpolitik betreibt die Europäische Zentralbank seit Jahren, um den südeuropäischen Schuldenstaaten niedrige Zinsen für ihren Schuldendienst zu garantieren. Michael Thomale, einer der beiden Köpfe des Londoner Krypto-Dienstleisters Nexus Global, sagte im Mai 2020 mit Blick auf das sogenannte Bitcoin Halving: „Die Nachfrage nach Kryptowährungen wie Bitcoin steigt stetig an, und Kryptowährungen erfreuen sich vor allem in Krisenzeiten großer Beliebtheit. Das digitale Gold Bitcoin hat seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht, und im Bereich Blockchain-Technologie tut sich sehr viel.“

Diese Bitcoin-Prognose des umtriebigen Sachsen hat sich zuletzt wieder bewahrheitet. Mitte November gerieten Krypto-Fans wegen einer rasanten Bitcoin-Rallye fast in Ekstase. Am 18. November stieg der Kurs phasenweise um fast fünf Prozent auf 18.491 US-Dollar. Damit verdoppelte sich der Kurs innerhalb von sechs Wochen und lag nur noch rund 1.500 Dollar unter dem bisherigen Rekordhoch von knapp 20.000 Dollar. Diesen historischen Höchststand erreichte die Digitalwährung Ende 2017. Seit Anfang des laufenden Jahres hat der Bitcoin-Preis um fast 150 Prozent zugelegt. Thomale verfolgt täglich die Kursentwicklung und notierte zum jüngsten Kursfeuerwerk: „Seit Mitte Oktober 2020 legt Bitcoin wieder eine enorme Rallye hin und hat erst am 24. November 2020 fast das All-Time-High von 20.000 US-Dollar geknackt, bevor er am 26. November dann erst mal wieder auf knapp 16.500 Dollar gefallen ist, was eine gesunde Korrektur ist. Am 30. November 2020 steht der Bitcoin-Kurs wieder bei fast 19.000 Dollar.“

Die Unsicherheit an den Finanzmärkten trieb immer mehr Anleger in das virtuelle Gold und sorgte seit Anfang Oktober für einen spektakulären Kursanstieg der bekanntesten Kryptowährung. Preistreiber waren der ungewisse Ausgang der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl, der drohende harte Brexit und die europaweit wieder stark steigenden Corona-Infektionszahlen. Das alles befeuerte die Nachfrage nach alternativen Anlageklassen, wovon neben dem Bitcoin auch andere Kryptowährungen wie Ether profitieren. Der Bitcoin-Kursanstieg geht vor allem auf Hedgefonds und institutionelle Investoren zurück. Allein der Zahlungsdienstleister Square steckte 50 Millionen Dollar in die Kryptowährung und erklärte dazu, dass der Bitcoin das Potenzial habe, eine omnipräsente Währung zu werden. Die Stone Ridge Holdings Group, ein Vermögensverwalter für Finanzberater und Versicherungsgesellschaften, investierte sogar die magische Summe von 100 Millionen Dollar in die virtuelle Devise. Firmengründer Ross Stevens begründete die Anlageentscheidung mit der Instabilität des Finanzsystems: „Aus der Investitionsperspektive betrachten wir Bitcoin gegenüber Cash als überlegen.“ Er beobachte gerade, dass viele Unternehmen ihre Einstellung gegenüber der Digitalwährung ändern. „Eine erneute Bitcoin-Rallye war durch viele Faktoren und technische Indikatoren schon länger voraussehbar, wo vor allem auch das Bitcoin Block Halving 2020 eine große Rolle spielt“, analysiert Michael Thomale. Der Experte für innovative Unternehmensfinanzierungen via Initial Coin Offering (ICO) schreibt in seinem eigenen Blog zu Blockchain-News und Kryptogeld: „Im Unterschied zu 2017 wird die Nachfrage nach Bitcoin aktuell vorrangig von institutionellen Anlegern angefeuert. Firmen wie MicroStrategy, Square und Stone Ridge sowie viele weitere haben bereits hohe Millionen-Beträge ihres liquiden Kapitals in Bitcoin angelegt, um einer drohenden Inflationierung zu entgehen.“

Ein weiterer Kurstreiber der letzten Wochen war die Ankündigung des US-Bezahldienstes Paypal, künftig den Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Schon ab 2021 sollen Kunden für ihre Online-Einkäufe damit zahlen können. In Kauflaune gerieten Finanzmarkt-Akteure auch, weil ausgerechnet die konservative Hamburger Privatbank Sutor zusammen mit einem ausländischen FinTech eine Bitcoin-Handelsplattform gestartet hat. Es ist offensichtlich, dass immer mehr private und institutionelle Anleger im Bitcoin nicht mehr nur ein Spekulationsobjekt sehen, sondern einen langfristigen Wertanker für das eigene Depot. Die multiplen Unsicherheiten auf den internationalen Finanzmärkten bringen sie dazu, neben Gold auch den virtuellen Gegenpart zur Portfolio-Diversifizierung zu erwerben. Dass die Bitcoin-Menge anders als herkömmliche Währungen nicht beliebig vermehrbar ist, macht ein solches Investment noch interessanter.

Blockchain-Experte Thomale sieht gegenwärtig trotzdem Unterschiede zu früher: „Bei der letzten großen Rallye im Jahre 2017 hat man überall in allen Medien von Bitcoin gesprochen, und das Interesse war vor allem bei Kleinanlegern sehr groß. Im Moment wird die aktuelle Rallye von Bitcoin von den Medien aber kaum noch beachtet, und es ist noch kein vergleichbarer Hype zu sehen. Es gibt auch weitere Gründe, die dafür sprechen, dass es sich aktuell noch nicht um einen Hype wie in 2017 handelt.“ Der Leipziger, der auch als CMO der Nexus Global Factoring Ltd. tätig ist, erklärt, warum es noch viel Wachstumspotenzial gibt: „Die Rallye des Bitcoin-Kurses im Jahr 2017 ging auch von um die 1.000 bis 20.000 US-Dollar innerhalb eines Jahres. Jetzt, im Jahr 2020, sprechen wir gerade noch von einem Anstieg von knapp 5.000 Dollar auf schon fast 20.000 Dollar. Es gibt also definitiv noch sehr viel Potenzial nach oben für den Bitcoin-Kurs in 2021, und ein Crash wie in 2018 sieht aktuell eher unwahrscheinlich aus, auch wenn zwischendurch natürlich immer mal Drops kommen können.“

Eine Umfrage des Vermögensverwalters Fidelity Investments hat ergeben, dass inzwischen ein Drittel aller institutionellen Investoren Kryptowährungen im Portfolio hat. In Europa sagten 45 Prozent der befragten Anleger, sie besäßen Kryptowährungen oder -derivate, in den USA waren es 27 Prozent. „Es wird spannend in der nächsten Zeit und im Jahre 2021“, bilanziert Michael Thomale mit Blick auf den Bitcoin.

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