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Zwei Umfragen zeigen:

So denken deutsche Unternehmer über Eurorettung, EZB-Zinspolitik, Migration

Dienstag, 15 Januar 2019 04:38

Frankfurt am Main - Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat in der Zeit von November bis Anfang Januar Führungskräfte von 400 Unternehmen zu ihrer Einstellung zu den großen finanz- und wirtschaftspolitischen Fragestellungen unserer Zeit befragt. Zwischen Dezember und Januar hat zudem das Magazin „Wirtschaftswoche“ 1500 Entscheider („selbstständige Unternehmer mit mindestens zehn Mitarbeitern“) zu diesen Themen befragt. Beide Umfragen zusammen betrachtet geben einen interessanten Einblick in die Köpfe der Unternehmer in Deutschland. Die Meinungsforscher wollten unter anderem wissen: Wie denken Top-Entscheider über die Eurorettung, die EZB-Zinspolitik, die Folgen des Brexits und die Migration? HESSEN DEPESCHE hat die Ergebnisse ausgewertet und stellt die relevanten Erkenntnisse vor.

Große Mehrheit will Zinserhöhung von EZB

Die Botschaft, die die Unternehmer an die EZB aussenden, ist klar: Mit 62 Prozent spricht sich laut Forsa eine deutliche Mehrheit für eine Zinserhöhung aus. Die Niedrigzinspolitik Draghis kommt demnach in der Wirtschaft überhaupt nicht mehr gut an. Lediglich 27 Prozent sprechen sich für eine Fortsetzung dieser Politik aus.

AfD-Sympathien bei Top-Entscheidern auf gesamtgesellschaftlichem Niveau

Ein insgesamt gutes Zeugnis stellen Unternehmer laut Forsa allerdings der umstrittenen Euro-Rettungspolitik aus. 83 Prozent sehen sie positiv. Die 17 Prozent, die das anders sehen, sind natürlich eine kleine Minderheit. Trotzdem ist dieses Ergebnis ein Ausrufezeichen, denn 17 Prozent sind mehr, als die AfD als einzige eurokritische Partei derzeit in Umfragen erreicht. Offenbar gibt es auch bei einigen Topentscheidern zumindest gewisse Sympathien für Teile der AfD-Programmatik. Eine Mehrheit dürfte mit der Partei jedoch gar nichts anfangen können. Erstaunliche 56 Prozent sind sogar dagegen, dass Deutschland eigene wirtschaftspolitische Interessen im internationalen Rahmen stärker betonen sollte. Die Befragten der Wirtschaftswoche nannten die AfD bei der Frage nach den politischen Kräften, die die Unternehmerinteressen am ehesten verträten, immerhin an dritter Stelle. Mit neun Prozent der Nennungen erzielten die Rechtspopulisten ein mehr als doppelt so gutes Ergebnis wie die SPD - Linke und Grüne kamen gar nur auf ein Prozent. Spitzenreiter wurde die FDP mit 53 Prozent vor der Union mit 26. Über deren neue Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gehen die Meinungen übrigens auseinander: Befürworter und Gegner halten sich in etwa die Waage.

Diese Themen machen Unternehmern aktuell Angst

Angst machen den Führungskräften aktuell laut Forsa in dieser Reihenfolge die Fliehkräfte in der EU, der Brexit, die Finanzpolitik, bei der sie – wie oben gezeigt – mehrheitlich Korrekturbedarf sehen und auch die Migration. Letztere wird bei der Wirtschaftswoche von den Befragten sogar als erstes Problem genannt. Viele fürchten auch eine neue Euro-Krise, die durch die hohe Verschuldung Italiens (für 68 Prozent der Befragten ein Problempunkt) ausgelöst werden könnte. Erschreckende 82 Prozent halten darüber hinaus laut Wirtschaftswoche das Land nicht ausreichend für die Digitalisierung gerüstet. Ein geteiltes Bild zeigt sich laut Forsa derweil beim Brexit. 68 Prozent der Befragten sind entspannt und glauben, dass der Brexit gar keine Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben wird. Dennoch denken 65 Prozent, dass der Brexit für Deutschland insgesamt nachteilig sein wird.

Wirtschaftslage: Eine Verbesserung erwartet kaum noch jemand

Geteilt ist laut Wirtschaftswoche auch die Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2019. 47 Prozent der Befragten glauben, dass sich die Lage auf dem erreichten hohen Niveau stabilisiert, während 45 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Dies passt zum zuletzt vier Mal in Folge gesunkenen Ifo-Index. Lediglich acht Prozent erwarten auch 2019 eine weitere Verbesserung der deutschen Wirtschaftslage.

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