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Rückkehr zur Kernkraft?

Technische Lösungen: Friedrich Merz fordert Dual-Fluid-Reaktoren

Montag, 16 Dezember 2019 23:34
Technische Lösungen: Friedrich Merz fordert Dual-Fluid-Reaktoren Quelle: Dual Fluid Reactor

Berlin - Auch die Energiepolitik ist eines der Themengebiete, auf denen die Union in den letzten Jahren erheblich an Profil verloren hat. Nach dem eiligen – manche sagen übereilten – Atomausstieg par ordre du mufti nach dem Fukushima-Unglück weiß eigentlich niemand so genau, wofür die Union aktuell auf diesem Politikfeld steht. Windkraft, Kohle, Elektromobilität, alternative Kraftstoffe – überall bleibt die Partei eher schwammig positioniert.

Das wollen einige nun wohl ändern. Der Hoffnungsträger des liberalkonservativen Flügels in der Partei, Friedrich Merz, schreibt seit geraumer Zeit jede Woche eine Kolumne für die WELT und hat sich dieses Mal energiepolitisch aus der Deckung gewagt – mit einer lupenreinen AfD-Position!

Friedrich Merz energiepolitisch vollständig auf AfD-Linie

Zunächst analysiert Friedrich Merz (Jahrgang 1955) den verheerenden Status Quo: Fehlender Netzausbau, Ausstieg aus allen verlässlichen, stabilen Formen der Energiegewinnung gleichzeitig und all das bei steigendem Energiebedarf. Seine Schlussfolgerung: Die Energieversorgung müsse auf ein breiteres Fundament gestellt werden, als nur auf Wind und Sonne zu setzen.

Harte Worte zur Windkraft

Insbesondere die Windkraft kritisiert er mit Vokabular der ganz harten Windkraftgegnerschule. Er spricht von einem „Massensterben der Vögel und Fledermäuse“ und einer „Verspargelung unserer Landschaft“. Auch die Milliardensubventionen für die an sich wenig wirtschaftlichen Windräder prangert Merz an.

Merz will wieder Atomkraftwerke – aber sichere

Stattdessen setzt Friedrich Merz auf das in den letzten Monaten immer wieder von der AfD ins Spiel gebrachte Dual Fluid-Kernreaktorenkonzept des Instituts für Festkörperkernphysik in Berlin. Diese neue Form von Reaktoren ist wesentlich sicherer, da die aus Tschernobyl und Fukushima bekannten Gefahren einer Kernschmelze ausgeschlossen sind und die Reaktoren sogar strahlenden Atommüll unschädlich machen und aus diesem Vorgang dabei noch Energie gewinnen können. Merz schließt – wie so oft in diesen Tagen – mit einer wenig verhohlenen Kritik an den letzten vierzehn Jahren CDU-Regierung. Das Instut für Festkörperkernphysik liege sogar in Sichtweite des Regierungsviertels, so der Wink mit dem Zaunpfahl.

Doppelzüngigkeit? Gleichzeitig bekräftigt Merz schwarz-grüne Ambitionen

Doch gleichzeitig schloss Merz auf dem CDU-Landesparteitag in Magdeburg eine Koalition mit der AfD brüsk aus und mahnte just in diesen Tagen wieder, die Grünen dürften nicht länger in der Opposition bleiben, sondern seien nach der nächsten Bundestagswahl „eine vielversprechende Option“. Die Doppelgleisigkeit von Friedrich Merz, das Werben um AfD-Wähler und das gleichzeitige Vorbereiten einer schwarz-grünen Koalition könnten schnell dazu führen, dass der Wiedergänger aus den 2000er Jahren beide Seiten enttäuscht und am Ende scheitert.

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