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Zulieferer-Coup:

Tesla schneidet BMW und Co. den Weg zu Elektroauto-Teilen ab

Samstag, 06 Mai 2017 14:11
Die Marke TESLA ist inzwischen weltweit bekannter als das vergessene Genie Nikola Tesla (1856-1943) Die Marke TESLA ist inzwischen weltweit bekannter als das vergessene Genie Nikola Tesla (1856-1943) Quelle: HESSEN DEPESCHE, Tesla

Frankfurt am Main - Seit längerem werden deutsche Automobilhersteller scharf dafür kritisiert, dass sie im Bereich der Elektromobilität ausländischen Herstellern hinterherhinken würden. Mittlerweile hat sich diese Lage durchaus gebessert. Mit dem Opel Ampera-e und dem BMW i3 sowie einigen weiteren Modellen gibt es mittlerweile immerhin auch deutsche Angebote, die dem internationalen Vergleich standhalten können.

Dennoch profitieren auch in Deutschland weiterhin überproportional Hersteller wie Renault, Nissan, Toyota und natürlich Tesla, vom Elektroautomarkt, da sie entweder als Pioniere gelten oder aber schon in der Lage sind, besonders günstige Modelle anzubieten. Nun müssen die deutschen Hersteller einen weiteren Rückschlag verkraften. Der amerikanische Elektroauto-Pionier Tesla hat ihnen Anfang des Jahres den rheinland-pfälzischen Maschinenbauer und Zulieferer Grohmann Engineering vor der Nase weggekauft, nachdem dieser an der Entwicklung des neuen Mittelklasse-Modells Tesla Model 3 maßgeblich mitgewirkt hat. Das Unternehmen heißt nun Tesla Grohmann Automation und produziert ausschließlich für den amerikanischen Hersteller – sämtliche Aufträge deutscher Hersteller, die dort bislang Schlüsseltechnologie für die Herstellung von Elektroautos bezogen, wurden auf Eis gelegt.

Diese reagierten auf den Schritt verschnupft: Es heißt, sie seien über die eingestellte Auftragsbearbeitung nicht informiert worden. Das dementierte Tesla umgehend und behauptet, bereits seit Wochen mit bisherigen Kunden von Grohmann in Kontakt zu stehen, um Unstimmigkeiten bei der Umstellung des Unternehmens zu klären.

Für Grohmann ist der Schritt, künftig praktisch nur noch für Tesla zu arbeiten, durchaus gewagt. Die aktuelle Geschäftsführung um Lothar Thommes, Marc Jesus Cerda und Susan Jean Repo hat sich damit in Abhängigkeit von der immer noch sehr ambitionierten Unternehmung Tesla begeben und dafür die guten Kontakte zu ihrem renommierten deutschen Kundenstamm aufs Spiel gesetzt. Für die Zukunft von Tesla wird entscheidend sein, ob die riesige Batteriefabrik „Tesla Gigafactory“, die gemeinsam mit Panasonic errichtet wird und die Produktionskosten für Autobatterien deutlich senken soll, ein Erfolg wird. Angepeilt ist, dass ab 2018 allein in dieser Fabrik mehr Batterien hergestellt werden, als 2013 weltweit.

Die Schlacht um den Elektroauto-Markt nimmt an Brisanz zu und wird derzeit anscheinend gerade auch auf der Ebene der Zulieferer und um deren Fachwissen ausgetragen.

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