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Gesundheitspolitik gerät aus dem Fokus

Viactiv: Reinhard Brücker fordert Debatte um Zukunftssicherung der sozialen Krankenversicherung

Sonntag, 09 Juli 2017 18:17
Viactiv: Reinhard Brücker fordert Debatte um Zukunftssicherung der sozialen Krankenversicherung Quelle: VIACTIV Krankenkasse

Frankfurt am Main - 2017 ist mit mehreren Landtagswahlen und der alles überschattenden Bundestagswahl ein hochpolitisches Jahr. Abseits des Vorschlags von Martin Schulz, bei den Krankenkassenbeiträgen wieder eine paritätische Finanzierung durch Arbeitnehmer und -geber einzuführen, spielte die Gesundheitspolitik bislang überhaupt keine Rolle. Trotz immer wieder mal aufkeimender Kritik am „Zwei-Klassen-System“ und ähnlichen Missständen genießt das deutsche Gesundheitssystem hierzulande offenbar eine Akzeptanz, die in anderen Ländern ihresgleichen sucht.

Reinhard Brücker: Beitragsparität kein Tabuthema

Um das Gesundheitssystem in dieser Form erhalten zu können fordert nun der VIACTIV-Krankenkassen Vorstandsvorsitzende Reinhard Brücker eine politische Grundsatzdebatte zur Zukunftssicherung der sozialen Krankenversicherung nach der Bundestagswahl. Dabei könne auch über die Wiedereinführung der Beitragsparität geredet werden. In NRW, dem Stammland der VIACTIV-Krankenkasse mit Sitz in Bochum, sei zudem etwa ein Strukturwandel bei den Krankenhauskapazitäten von Nöten. Zu viele kleine und eher schlecht ausgestattete Krankenhäuser müssten dort auf Kosten der Qualität um ihre Kunden werben.

Digitalisierung im Gesundheitssektor darf nicht verschlafen werden

Dringenden Nachholbedarf sieht Brücker, der im aktuellen Mitgliedermagazin der VIACTIV im Rahmen eines Interviews Stellung bezog, auch im Bereich der Digitalisierung im Gesundheitssektor. Die Chancen der Digitalisierung zur Verbesserung der Versorgung und zum Bürokratieabbau würden verschlafen. Die Finanzierung der Umstellung dürfte jedoch nicht allein den Versicherten aufgehalst werden, die bereits in den letzten Jahren eine Milliarde Euro vorfinanziert hätten.

Die VIACTIV ist eine Betriebskrankenkasse mit 60 Standorten im Bundesgebiet – ein größerer davon im hessischen Rüsselsheim - und über 700.000 Versicherten. Seit Ende 2015 trägt die ehemalige „BKK Vor Ort“ ihren neuen Namen, der auf Sportlichkeit setzt und den neuen Anspruch untermauert, die „sportliche Krankenkasse“ zu sein. Mit ihrem Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent zählt sie zu den teuersten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, bietet dafür jedoch auch sehr umfangreiche Premium-Leistungen wie kostenfreie Kurse, Bonuszahlungen und Beratungshotlines. Mitglieder können so in vielen Fällen unterm Strich günstiger fahren, als in einer Kasse mit einem niedrigeren Zusatzbeitrag.

Trotz Sportkonzept steigen die Leistungsausgaben pro Versichertem

Der hohe Zusatzbeitrag ermöglichte auch, dass die VIACTIV 2016 pro Versichertem einen Einnahmeüberschuss von 47 Euro erwirtschaftete – und das, obwohl die Leistungsausgaben je Versichertem 2016 um deutliche 5,5 Prozent gestiegen sind. Damit bleibt fraglich, ob die VIACTIV mit ihrem neuen sportlichen Konzept das unausgesprochene Ziel eines Wandels der eigenen Mitgliedschaft hin zu mehr jungen, gesunden, sportlichen und damit natürlich kostengünstigen Mitgliedern wirklich gelungen ist. In Zukunft könnte das bedeuten, dass die allein von den Mitgliedern zu tragenden Zusatzbeiträge womöglich weiter steigen.

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