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Offener Brief an EU-Kommission

Wissenschaftler warnen vor Glyphosat

Montag, 30 November 2015 19:49
Wissenschaftler warnen vor Glyphosat Wissenschaftler warnen vor Glyphosat

Homburg - Seit Monaten tobt die Debatte um eine mögliche Verlängerung der EU-Zulassung für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Nun werfen 96 namhafte Wissenschaftler den Prüfbehörden in einem offenen Brief an den EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis teils schwere Fehler vor. Sie fordern ein Verbot des Pestizids.

Das Herbizid Glyphosat, dessen bekanntester Name Roundup ist, wird als Unkrautvernichter auf deutschen Getreidefeldern und im Gartenbau eingesetzt. Mitte kommenden Jahres läuft die EU-Zulassung für das Mittel aus, so dass neue Prüfungen der Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit vorgenommen werden mussten. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO das Mittel bereits im März als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte und namhafte Wissenschaftler diese Befürchtung teilen, konnte das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) keine Gefahren feststellen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sprach sich schließlich Mitte November für eine Verlängerung der Zulassung aus. Am 1. Dezember debattiert der Umweltausschuss des EU-Parlaments über das Pflanzenvernichtungsmittel. Am 3. und 4. Dezember tagt dann der zuständige Ausschuss der Kommission mit den Regierungsvertretern aller EU-Staaten und wird auch über eine mögliche Verlängerung der Zulassung von Glyphosat beraten.

Deshalb sehen sich zahllose Epidemiologen, Toxikologen, Statistiker und Molekularbiologen aus 25 Ländern dazu veranlasst in einem offenem Brief vor den Risiken des Mittels zu warnen. Zudem fragen die Wissenschaftler, warum die Ergebnisse der Studien der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC), die von den weltweit führenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet ausgewertet worden sind, von der EU-Kommission übergangen werden.

Im Gegensatz dazu werde den Ergebnissen des BfR von der EU-Kommission wesentlich mehr Beachtung geschenkt, obwohl nicht einmal bekannt ist, wer die Prüfung der Studien vorgenommen hat – ein Verzeichnis über die federführenden Wissenschaftler fehlt. Zudem bezieht sich das Bundesinstitut unter anderem auf drei Studien, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Dadurch dränge sich der Verdacht auf, diese könnten vom Produzenten des Pflanzengifts, Monsanto, gefördert sein, eine unkritische Übernahme der Ergebnisse sei möglich. Die Entscheidung des BfR sei wissenschaftlich betrachtet auf nicht nachvollziehbare Weise gefällt worden, so Christopher Portier, der Koordinator des offenen Briefs.

Der Wissenschaftler befasst sich seit über dreißig Jahren mit den Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit der Menschen. Bei seinen Untersuchungen mit Glyphosat kam auch er zu dem Schluss, das Mittel sei höchstwahrscheinlich krebserregend.

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